Buch-Review: Die intelligente Asset Allocation – William J. Bernstein –

Das Buch wurde von William J. Bernstein bereits im Jahr 2000 veröffentlicht. Bernstein ist ein US-amerikanischer Autor und Neurologe. Er hält ein PhD in Chemie und Neurologie. Als Autor veröffentlicht er außerdem vierteljährlich das Magazin Efficient Frontier und schreibt außerdem Kolumnen für Morningstar sowie das Wall Street Journal.

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Struktur und Inhalt:

Bernstein beschreibt in seinem Buch auf eine aus meiner Sicht äußerst eindrucksvolle Weise wie man mit äußerst geringem Zeitaufwand ein breit diversifiziertes und rentables Portfolio strukturieren kann. Dabei geht Bernstein insbesondere auf die wissenschaftlichen Hintergründe im Bezug auf eine möglichst optimale Strukturierung des eigenen Portfolios ein.

Außerdem erklärt er viele wichtige elementare Finanz-Basics. Wie z.B die Begrifflichkeiten Korrelation, Rendite/Risiko, das Verhalten verschiedener Assetklassen, Markteffizienz etc.. 

Das Buch ist in 9 Kapiteln strukturiert.

Kapitel 1: Allgemeine Erwägungen und Definitionen

Als erstes erklärt Bernstein ein paar wichtige finanzielle Begrifflichkeiten, die man verstehen sollte. Beispielsweise erklärt er den Unterschied zwischen der durchschnittlichen und annualisierten Rendite. Die durchschnittliche Rendite ist dabei der einfache Durchschnitt aller einzelnen Jahresrenditen. Die annualisierte Rendite ist die Rendite, die man Jahr für Jahr erzielen müsste, um das Ergebnis der von Jahr zu Jahr differierenden Einzelrenditen auszugleichen. Sie stellt also jene Rendite dar, die man jedes Jahr erzielen müsste, um dasselbe Ergebnis der durchschnittlichen Rendite zu erreichen. Die annualisierte Rendite ist stets niedriger ist als die durchschnittliche. Die annualisierte Rendite ist jedoch deutlich präziser sowie aussagekräftiger.

Kapitel 2: Risiko und Rendite

Ferner geht Bernstein auf die Aussagekraft der Standardabweichung (SA) als Maß zur Beurteilung des Risikos einer Assetklasse ein.  Die SA gibt die Volatilität, d.h. die potentielle Schwankungsbreite einer Assetklasse an. Sie lässt sich rechnerisch (z.B. mit Excel/Taschenrechner) einfach herausfinden. Jeder Assetklasse lassen sich spezifische Standardabweichungs-Intervalle zuschreiben. Hier einmal ein paar äußerst interessante:

  • Geldmarkt: 2 bis 3%
  • kurzlaufende Anleihen: 3 bis 5%
  • langlaufende Anleihen: 6 bis 8%
  • US-Aktien (konservativ): 10 bis 14%
  • US-Aktien (spekulativ): 15 bis 25%
  • Auslandsaktien: 15 bis 25%
  • Emerging-Markets-Aktien 25 bis 35%

Die Standardabweichungen aller existenten Assetklassen lassen sich z.B. über die großen Ratingagenturen/Finanzunternehmen wie Morningstar Inc. einsehen.

Im weiteren Verlauf geht Bernstein in seinem Buch auf die einzelnen Assetklassen (Anlagekategorien) ein. Z.B.:

  • Treasury Bills= 30-tägige T-Bills (sicherste Investment der Welt)
  • Treasury Notes= Fünfjährige Staatsanleihen (bieten nahezu absolute Sicherheit vor Kapital- oder Zinszahlungsausfällen – lediglich gefährdet durch steigende Zinsen)
  • Treasury Bonds= 20-jährige Staatsanleihen (überraschenderweise selbe Rendite wie die der Treasury Notes)
  • Stammaktien großer Unternehmen= (z.B. S&P 500, bieten beträchtliche Renditen, verdoppeln alle neun Jahre ein Vermögen, SA= 20,26)
  • Aktien kleiner Unternehmen= (Vermögen wird alle acht Jahre verdoppelt, jedoch auch höhere SA als Stammaktien großer Unternehmen)

Bernsteins Fazit in Bezug auf das Halten von Wertpapieren ist: je länger ein Wertpapier gehalten wird, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit eines schlechten Ergebnisses. Insbesondere bei Aktien trifft dies meist zu.

Auch geht Bernstein auf Investments in REITs und Edelmetall-Aktien ein. Bernstein betont, dass diese Assetklassen zwar nicht so hohe Renditen aufweisen, insbesondere im Vergleich zu Aktien, aber dennoch in einem breit diversifizierten Portfolio maßgeblich dazu beitragen können, das Gesamtrisiko zu reduzieren, da sie mit verschiedenen Assetklassen negativ korrelieren.

Kapitel 3: Das Verhalten von aus mehreren Assets bestehenden Portfolios

In diesem Kapitel geht Bernstein äußerst intensiv auf den Begriff Korrelation ein. Bernstein sagt, dass das Prinzip der Korrelation eins der wichtigsten Prinzipien für ein erfolgreiches Investieren ist. Definiert wird die Korrelation von Bernstein folgendermaßen:

Die Kombination von unkorrelierten Assets reduziert die Risiken, denn wenn sich eines davon in die eine Richtung entwickelt, dann wird das andere wahrscheinlich in die andere Richtung tendieren.“

In diesem Kapitel geht Bernstein außerdem auf die außerordentliche Notwendigkeit ein, das Portfolio absolut regelmäßig zu adjustieren (Re-Balancing). Gründe dafür sind, dass dieses regelmäßige Adjustieren die langfristige Depotrendite erhöht und simultan das Gesamt-Risiko reduziert! Außerdem fördert und fordert die regelmäßige Anpassung beim Anleger die nötige Disziplin, zu hohen Kursen zu verkaufen und zu niedrigen zu kaufen!

In diesem Kapitel veranschaulicht Bernstein insbesondere den oben angesprochenen Effekt der Korrelation von Assetklassen anhand sehr anschaulicher und gut nachvollziehbarer exemplarischer Depots. Great! Die Darstellungen sind äußerst eindrucksvoll.

Fazit dieses Kapitels:

  1. Die Korrelation zwischen einzelnen Assets in einem Portfolio sind von entscheidender und damit signifikanter Bedeutung: Je niedriger die Korrelation zwischen den Assets eines Portfolios, desto rentabler ist das Portfolio!
  2. Durch Diversifikation zwischen nicht miteinander korrelierten Assets wird das Risiko reduziert und gleichzeitig die Rendite erhöht! Unerlässlich ist dabei eine regelmäßiges Re-Balancing des Portfolios!

Finanzbuch: Die intelligente Asset Allocation von William J. Bernstein

Kapitel 4: Das Verhalten realer Wertpapierdepots

In diesem Kapitel geht Bernstein der eigentlich interessantesten Frage nach: Welche Portfolio-Zusammensetzungen produzieren die höchste Rendite bei geringstem Risiko?

Die Kernbotschaften aus diesem Kapitel sind die folgenden:

  • In einem Depot sollte man kurzfristige Anleihen bevorzugen (sechs Monate bis fünf Jahre)
  • Das Hinzufügen einer kleinen Menge Aktien zu einem Depot bestehend aus Anleihen führt zu einer höheren Rendite und außerdem zu einer Risikominderung.
  • Ein Aktiendepot, welches um eine kleine Menge von Anleihen ergänzt wird, verliert einerseits ein wenig an Rendite, andererseits sinkt das Risiko ebenfalls stark.
  • Kleine Aktien müssen in einem Depot auf jeden Fall mit mehr Anleihen kombiniert werden.
  • Die jüngste Vergangenheit (und ihre Renditen) sollte man NIE überbewerten! Historische Renditen sind erst ab einem Zeitraum von mindestens zwei bis drei Jahrzehnten aussagekräftig.

Kapitel 5: Optimale Depotaufteilung

Diese Kapitel ist einst der spannendsten, da Bernstein praktische Portfolios vorstellt. Diese werden basierend auf seinen (wissenschaftlich & mathematischen) Ausführungen und Begründungen der vorangegangenen Kapiteln konstruiert.

All diese Portfolios sind sogar für einen Laien äußerst einfach nach konstruieren.

Bevor man sein eigenes Portfolio auswählt, rät Bernstein, sich die folgenden drei Fragen zu stellen:

  1. In wie viele verschiedene Asset-Klassen wollen Sie investieren?
  2. Wiekonventionell“ soll ihr Depot sein?
  3. Welche Risiken wollen Sie auf sich nehmen?

Bernstein führt dann vier verschiedene Depots auf. Diese unterscheiden sich anknüpfend an die oben genannten drei Fragen erheblich durch die folgenden Faktoren:

  • Anzahl Asset-Klassen,
  • Konventionalität
  • Risiko-Grad. 

Das Fazit dieses Kapitels ist:

  • Dass es keine existierende Technik gibt, die das „optimale Depot der Zukunft“ ermitteln kann.
  • Dass ein breit diversifiziertes globales Portfolio aus kleinen sowie großen Aktien ein „vorteilhaftes“ Rendite-Risiko-Verhältnis aufweisen sollte.
  • Die individuelle Asset-Allokation hängt von a.) der Toleranz der Renditeabweichung im Vergleich zum S&P 500, b.) Zahl der Assets und c.) der Risikotoleranz ab.

Kapitel 6: Markteffizienz

In diesem Kapitel rechnet Bernstein mit aktiv gemanagten Fonds ab. Nach Bernstein ist deren Performance zu einem sehr großen Teil auf pures Glück, aber auf keinen Fall auf Können oder Talent, zurückzuführen. Deshalb empfiehlt Bernstein (wie G. Kommer, A. Warnecke, W. Buffet) das Investieren über kostengünstige und rentablere Index-Fonds (wie z.B. ETFs).

Bernstein betont auch noch einmal, dass NIEMAND Börsenkurse voraussagen kann, da alle Informationen bereits in den Kursen eingegangen sind. Deswegen können sich aktive Manager ihre ganze Mühe, besser abzuschneiden als der Markt, auch sparen, denn sie sind der Markt! Timing an der Börse zu praktizieren ist somit eins der unsinnigsten Unterfangen, die man praktizieren kann.

Außerdem betont Bernstein, dass das große Geld in Zeiten ökonomischer Krisen verdient wird. Dagegen sind die gefährlichsten Zeiten jene, in denen der Himmel „ökonomisch blau“ ist.

Kapitel 7: Wahrscheinlichkeiten und Ziele

In diesem Kapitel geht Bernstein anfangs auf das sog. Value Investing ein. Dafür definiert er drei wichtige Kennzahlen:

  1. Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
  2. Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
  3. Dividendenrendite

Bernstein sagt, dass Aktien mit einem niedrigen KGV historisch gesehen signifikant bessere Ergebnisse/Renditen erbrachten als der Markt sowie Aktien mit einem hohen KGV. Bernstein zitiert außerdem die Ergebnisse einer Studie von den beiden Professoren Fama und French, die durch ihre eindrucksvolle Arbeit beweisen konnten, dass kleine Unternehmen mit einem sehr niedrigen KBV eine signifikant höhere Rendite erzielten, als die teuren/großen Unternehmen. Die beiden Professoren fanden außerdem, dass das KGV aussagekräftig ist, jedoch längst nicht so stark wie das KBV. Die Schlussfolgerung ist hier, dass insbesondere Unternehmen, die vom Markt als „schlecht“ bewertet werden, das größte Potential haben und die höchsten (unerwarteten) Renditen erbringen können.

Bernstein schlussfolgert außerdem: „Gute Unternehmen haben in der Regel schlechte Aktien, und schlechte Unternehmen habe gute Aktien.“

Bernstein zieht außerdem das Fazit, dass Value-Aktien Growth-Aktien überlegen sind. Denn sie weisen signifikant geringere Risiken und höhere Renditen auf. Bernstein empfiehlt insbesondere kleine Value-Aktien, die gerade über einen längeren Zeitraum Growth-Aktien ziemlich sicher schlagen.

Bernstein zeigt ebenfalls auf, dass es deutlich sinnvoller ist, billigere Aktien teuren vorzuziehen.

Kapitel 8: Die Implementierung ihrer Strategie zur Asset-Allokation

In diesem Kapitel führt Bernstein einen auf sehr einfach, aber dennoch brillante Weise durch die Strukturierung des eigenen Portfolios.

Dabei ist als erstes die eigene Allokation mit den folgenden Fragen zu wählen:

  • Welche grundlegende Allokation zwischen Aktien und Anleihen möchte man haben? Man könnte sich alternativ auch fragen, was der höchste jährliche Depotverlust ist, den man bereit ist, zu tolerieren? Bernstein empfiehlt hier explizit dem eigenen Depot einen Anteil an Anleihen beizumischen!
  • Welchen Komplexitätsgrad traut man sich zu? Heißt, wie viele Asset-Klassen traut man sich zu, zu verwalten? Empfehlen tut Bernstein mit mindestens vier Asset-Klassen zu starten (gr. US-Aktien (S&P 500); kl. US-Aktien; Auslandsaktien sowie kurzfr. US-Anleihen).
  • Welche Renditeabweichung kann man tolerieren? Je höher hier die Toleranz, desto mehr kleinere Aktien kann man nehmen.

Anschließend empfiehlt Bernstein konkrete Indexfonds, die man zum strukturieren des Portfolios verwenden kann. Und zwar von Vanguard und Dimensional Fund Advisors (DFA).

Des Weiteren empfiehlt Bernstein sich regelmäßig über die Marktbewegungen aller relevanten Indices zu informieren. Hier bieten sich als Messwerte insbesondere das im Vorfeld erwähnte KBV und die Dividendenrendite an. Man sollte schließlich wissen, wie teuer die Tomaten sind, bevor man sie kauft.

Kapitel 9: Informationsquellen für Investoren

In diesem Kapitel empfiehlt Bernstein eine lange und sehr interessante Liste an:

  • Büchern
  • Zeitschriften/Zeitungen
  • Datenbanken
  • Websites

 

Key-take-aways:

  • Wer die Geschichte nicht kennt, ist dazu verdammt sie zu wiederholen. Man sollte die langfr. Entwicklungen der wichtigsten Assetklassen auswendig kennen.
  • Depots verhalten sich in Summe anders als ihre einzelnen Bestandteile (Diversifikation + niedrige Korrelationen anstreben!)
  • D.h., dass man sich auf die Performance des Depots und nicht etwas auf das Verhalten seiner einzelnen Assets konzentrieren sollte.
  • Re-Adjustierung/Re-Balancing= lebenswichtig!
  • Die Märkte sind klüger als ich, und klüger als jeder „Experte“!
  • Man sollte den Preis der „Tomaten“ einschätzen und einordnen können!
  • Der beste Zeitpunkt zum kaufen ist dann, wenn es an den Märkten am schlechtesten ausschaut
  • Die Value-Methode sollte bei der Aktien- sowie Fond-Auswahl bevorzugt werden (insbesondere das KBV als Kennzahl)
  • Investieren mit Indexfonds= kostengünstig = rentabel

Fazit:

Vielleicht das beste Finanzbuch, das ich bis jetzt gelesen habe. Das Buch ist voll mit qualitativ hochwertigen sowie hilfreichen Informationen, liest sich aber dennoch äußerst flüssig. Der Autor schreibt sehr unterhaltsam und man kann alle Inhalte sehr schnell einordnen sowie nachvollziehen. Das Buch ist auch super strukturiert, was das Lesen zusätzlich erleichtert.

Egal ob Anfänger oder Profi, dieses Buch kann ich absolut jedem empfehlen! Ein MUSS für jeden Investor.

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Written by Tommi