Buch-Review: Der Finanzwesir – Albert Warnecke –

Albert Warnecke, besser bekannt als der Finanzwesir, blickt auf eine 20-jährige Börsenerfahrung zurück. Von Beruf aus ist der Finanzwesir Ingenieur und, seit nun einigen Jahren, einer der erfolgreichsten deutschen Finanz-Blogger.

Neben seiner Blogger-Tätigkeit ist der Finanzwesir oft und gern gesehener Gastredner und -Autor in diversen Medien.

Investmentansatz des Finanzwesir

Seine Finanz-Karriere, hat der Finanzwesir als aktiver Investor gestartet. Mittlerweile ist er jedoch ein absoluter Verfechter des passiven Investierens. 

Grund für diesen Sinneswandel ist laut dem Finanzwesir, das ungünstige Verhältnis zwischen Input und Output beim aktiven Investieren. Zu hoch sind die Transaktions- und Beratungskosten, der zeitliche Aufwand und zu ungewiss ist die eigene Performance bzw. die Rendite.

Passives Investieren ist aus Sicht des Finanzwesirs genau das Gegenteil: Effizienter, deutlich günstiger und letztendlich rentabler.

Daher ist dieses Buch in seinem Kern, ein Plädoyer für das passive Investieren und dafür, die Kontrolle über seine eigenen Finanzen zu erlangen. Mit seiner sehr unterhaltsamen und humorvollen Art beschreibt er diesen Punkt wie folgt:

„Seine Frau und sein Geld gibt man nicht in fremde Hände.“.

Dem stimme ich voll zu.

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Struktur von “Der Finanzwesir”

Das Buch des Finanzwesirs beginnt mit der Einleitung, in der sich der Finanzwesir selbst und seine Finanz-Philosophie vorstellt.

Außerdem definiert er dem Leser das Ziel und den Anspruch seines Buches. Es werden zudem erste elementare Finanz- und Investoren-Kenntnisse, wie z.B. das magische Dreieck der Geldanlage beschrieben (beschreibt die Wechsel-Beziehung zwischen Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit).

Des Weiteren stellt er kurz die fünf Ebenen der Geldanlage vor, die den Kerninhalt und gleichzeitig die Gliederung seines Buches ausmachen:

  1. Anlagepolitik (das Fundament)
  2. Aktien- und Anleihen-Mix
  3. Umsetzungsstrategie – aktiv oder passiv?
  4. Konkrete Produktauswahl
  5. Kauf/Verkauf

1. Anlagepolitik

In diesem Abschnitt geht es um wichtige grundlegende finanzielle Fragen und fundamentale Investment-Grundsätze.

Wie und warum soll ich mein Geld investieren? Was bringt mir der berüchtigte Zinseszins? Und was gilt es als Investor zu beachten?

Um diese finanzielle Reise antreten und schlussendlich erfolgreich das erwünschte persönliche Ziel zu erreichen, empfiehlt der Finanzwesir, dass man sich die folgende Fragen stellt:

  1. Wo stehe ich gerade in meinem Leben?
  2. Was sind meine momentanen finanziellen Mittel?
  3. Wo möchte ich hin? Familie? Haus? Luxuskarre?
  4. Welche finanziellen Mittel muss ich dafür generieren? Konkrete Summe X eruieren!

Glaubenssätze und Prinzipien

Dabei betont der Finanzwesir die Wichtigkeit von eigenen finanziellen Glaubenssätzen. Die von unglaublichem Wert für jeden Investor sind.

Diese Glaubenssätze muss sich jeder (angehende) Investor erarbeiten. Durch gute Finanz-Literatur, Gespräche mit erfahrenen Börsianern oder durch praktische Finanz-Engagements.

Auch ich kann aus meiner eigenen Erfahrung ebenfalls nur bekräftigen, wie wichtig eigene Prinzipien und Glaubenssätze im Finanzbereich sind.

Denn die meisten Strategien an der Börse, werden und können ohne entsprechende Prinzipien und Glaubenssätze nicht langfristig durchgezogen werden. 

Und eine abgebrochene oder verworfene Strategie bedeutet meist Totalschaden.

Lebensstil und Vermögensaufbau

Schließlich rät der Finanzwesir für einen effektiven Vermögensaufbau sehr humorvoll und treffend: „Ein gutes Gehalt mit einem studentischen Lebensstil: das schafft Vermögen.“

Das sehe ich ebenfalls genauso! Dieser eigentlich banale aber so häufig in Vergessenheit geratene Fakt, wird auch in dem Buch von Robert Kiyosaki, Rich Dad Poor Dad oft betont und gut beschrieben.

Die meisten Menschen erhöhen ihre Ausgaben proportional, und manchmal überproportional, zu ihrem Einkommen. Dieses Verhalten ist für einen effektiven Vermögensaufbau logischerweise absolut kontraproduktiv und dumm.

Gerade in jungen Jahren lässt sich aus meiner Sicht die Grundlage für die folgenden Jahrzehnte am einfachsten legen. 

Je mehr Geld zu einem frühen Zeitpunkt intelligent und rentabel investiert wird, desto mehr Geld ist in der Zukunft verfügbar.

Durch frühe Investitionen können sich langfristig gesehen, hohe zusätzliche und passive Einkommens-Ströme generiert werden. Schau dir dafür gern diesen Beitrag zum Thema REITs an.

Oder aber man nutzt den Zinseszins, der früh angelegtes Kapital bei einer entsprechend rentablen Assetklasse erstaunlich stark vermehren kann.

Lass dein Geld für dich arbeiten und arbeite nicht für dein Geld! 

2. Aktien- und Anleihen-Mix

Dieser Teil ist praktisch ein Kurzüberblick über einige wichtige Finanz- und Börsen-Vokabeln. Der Finanzwesir definiert hier Assetklassen (Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Fonds etc.) und die Grundbestandteile eines Portfolios.

Die Rendite-Sicherheit-Liquidität-Beziehung

Außerdem beschreibt er die wichtige, jedoch oft unter den Tisch gekehrte oder unbekannte Beziehung zwischen Risiko und Rendite.

Beziehung Rendite-Sicherheit-Liquidität

Beziehung Rendite-Sicherheit-Liquidität

Dieses Beziehungs-Dreieck solltest du dir gut merken oder zuhause an die Wand malen.

 

Sehr interessant sind aus meiner Sicht insbesondere die Ausführungen zur Rendite, die manch einem etwas zu mathematisch erscheinen werden. Diese sind jedoch wichtig und richtig dargestellt. Wenn man diese Verstanden hat, hat man den meisten Anlage- und Bankberatern bereits einiges an Wissen voraus.

Weiter beschäftigt der Finanzwesir sich hier mit weniger traditionelle Anlageformen. Diese werden von ihm dabei äußerst kritisch beschrieben.

Des Weiteren nimmt Albert Warnecke hier Bezug auf das Weltportfolio gemäß Gerd Kommer. Unter anderen geht er dabei kurz auf die Struktur dieses „berühmten“ Portfolios ein.

3. Umsetzungsstrategie – aktiv oder passiv?

In diesem Kapitel begründet der Finanzwesir noch einmal, warum er vom passiven Investieren überzeugt ist und warum Stock-Picking sowie Market-Timing nicht funktionieren. Dafür führt er die Vorteile von Buy & Hold Strategien auf und beschreibt das „harte Leben“ eines aktiven Investors.

Außerdem wird in diesem Kapitel sehr anschaulich vorgerechnet, wie wichtig geringe Kosten und Gebühren bei Investitionen sind. Diese Ausführungen, zu einem absolut wichtigen Thema, sind detailliert und gut nachvollziehbar dargestellt.

Auch die vier G´s nach Kostolany sind eine nette Erinnerung, auf was es beim Investieren letztendlich drauf ankommt:

  1. Geld
  2. Gedanken
  3. Geduld
  4. Glück

Wenn du mehr über die Börsenlegende Andre Kostolany wissen möchtest, schau dir gern diesen Beitrag zu dem Buch, “Die Kunst, über Geld nachzudenken”, von mir an.

4. Konkrete Produktauswahl

Neben einigen Wiederholungen aus vorherigen Kapiteln stellt der Finanzwesir nun „endlich“ ein paar Indizes/ETFs vor, um praktisch mit dem passiven Investieren starten zu können.

Hinzu kommen vier unterschiedliche Musterdepots, welche entweder aus einem, zwei, drei oder vier ETFs bestehen.

Diese Darstellung ist sehr gelungen, da sehr kompakt und präzise auf die Vor- und Nachteile eingegangen wird. Des Weiteren wird ein sechs-teiliges ETF-Portfolio präsentiert, das sich für größere Sparvolumen eignet.

Ebenfalls wird beschrieben, was in den risikoreichen und was in den risikoarmen Teil eines Portfolios gehört.

5. Kauf/Verkauf

In diesem Kapitel geht es um den konkreten Kauf von ETFs.

Hierzu werden erst einmal Begrifflichkeiten wie das Depot und Verrechnungskonto erklärt. Außerdem werden verschiedene Broker vorgestellt, die man zum investieren nutzen kann.

Des Weiteren wird in diesem Kapitel der Unterschied zwischen dem Investieren via eines Sparplans oder des manuellen Kaufens beschrieben.

Ferner wird das sehr wichtige Thema des Re-Balancing angesprochen und erklärt.

Kurz: Bei dieser Technik geht es darum, dass das wertmäßige Verhältnis von den eigenen Assetklassen nach einem im Vorfeld definierten Zeitintervall, wiederhergestellt wird.

Meist ein- bis zweimal jährlich.

Dadurch wird das Gesamt-Risiko des Depots erheblich reduziert, während die Rendite gleich bleibt bzw. im Optimalfall sogar gesteigert werden kann. 

Sogar das oftmals gern vernachlässigt Thema „Steuern“ wird über einige Seiten angerissen. Hier werden durchaus einige wichtige elementare Steuertipps gegeben, die man selbst als Laie unproblematisch in seinen eigenen Investment-Ansatz integrieren sowie beachten kann.

Amazon-Link: Buch von Albert Warnecke, dem Finanzwesir: “Der Finanzwesir”

Zusammenfassend

Positiv

Erst einmal finde ich die Grundeinstellung des Finanzwesirs zum Thema Finanzen äußerst vorbildlich und löblich.

So vergleicht er die Ahnungslosigkeit der Menschen beim Thema Finanzen mit der zum Thema Sex in 50er Jahren. Dies trifft, wie ich finde, den Nagel auf den Kopf! Wenn man über solch ein relevantes Thema nicht redet, kann es nur schwierig eine positive Entwicklung geben.

Auch seine generellen Ratschläge für Privatanleger finde ich klasse:

  • Nur zu kaufen, wenn man ein Produkt versteht,
  • zudem zu checken, wem das Produkt Mehrwert bringt und
  • bei der Wahl zwischen zwei Produkten stets das einfachere zu nehmen.

Dazu gehört auch die sehr einfache, aber präzise Vermittlung von wichtigen Investment-Basic, wie der Rendite-Risiko-Beziehung, Anlageklassen etc.

Ebenso ist der Appell, unser verdientes Geld nicht nutzlos auf dem Sparkonto liegen zu lassen, absolut berechtigt.

Stattdessen propagiert der Finanzwesir, sich eigene finanzielle Kompetenz anzueignen, und in Abhängigkeit von den persönlichen Lebenszielen einen Finanzplan zu erstellen.

Die Differenzierung des Finanzwesirs zwischen Sparen und Anlegen finde ich auch sehr gelungen:

Sparen: „Oh toll, am Ende des Monats ist noch Geld übrig, das kommt jetzt aufs Sparbuch. Was dann passiert, Weiß ich nicht. Ist mir auch egal. Hauptsache sicher.“

Anlegen: „Ich habe ein Ziel und einen Plan, wie ich dieses Ziel erreiche. Deshalb verteile ich am Anfang eines jeden Monats einen festgelegten Betrag auf ein sorgfältig und mit Bedacht ausgewähltes Portfolio aus zu mir passenden Finanzprodukten.“

Alberts Einstellung zu Immobilien im Rahmen des Vermögensaufbau finde ich ebenfalls nicht verkehrt (viele andere Blogger und Investoren werden hier wohl eher widersprechen).

Eine Immobilien-Investition ist auch meiner Meinung stark abhängig vom eigenen Knowhow und vor allem von der eigenen finanziellen Situation und kann somit nicht pauschal und immer, so wie das manch einer gern tut, als goldener Weg zu Reichtum & Wohlstand beschrieben werden.

Dafür gibt es einige sehr solide und attraktive Alternativen, wie z.B. REITS, die sich gerade zum Anfang einer Investment-Karriere anbieten können.

Negativ

Was mir nicht so gut gefallen hat, ist die zum Teil fehlende Struktur. Oftmals war der rote Faden zwischen Kapiteln oder Abschnitten weg. Selbst das Inhaltsverzeichnis half dann nicht. Zudem haben die Rechtschreibfehler teils unglücklich gewirkt. Aber! Dies kann in einer erneuten Auflage einfach behoben werden 😀 

Mein Fazit

Gerade für Finanz-Einsteiger und -Anfänger sowie Freunde des passiven Investierens, ist dieses Buch sehr zu empfehlen, da es eine sehr gute Grundlage vermittelt.

Es ist zudem sehr humorvoll, unterhaltsam und zumeist sehr leicht nachvollziehbar geschrieben. Kaufen!

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Written by Tommi