Buchrezension: Die Revolution der Geldanlage – Gootfried Heller

Gottfried Heller ist ein deutscher Fondsmanager sowie Vermögensverwalter. Dazu ist er als Autor und Kolumnist für diverse Zeitschriften und Magazine tätig. Mit der verstorbenen Börsenlegende Andre Kostolany gründete er 1971 in München die berühmte FIDUKA-Vermögensverwaltung.

Heller ist einer der größten Kritiker des allgemeinen veralteten und unrentablen deutschen Anlage-Verhalten. Mit diesem Buch möchte Heller auf die rentablen Anlagemöglichkeiten hinweisen, die einem jeden Bundesbürger zur Verfügung stehen. Das passive Investieren via ETFs.

Inhalt:

In diesem Buch beschreibt Heller eine gravierende Veränderung an den Finanzmärkten der letzten Jahrzehnte.

Im Mittelpunkt der von Heller beschriebenen „Revolution“ stehen sog. Indexfonds (z.B. ETFs). Durch sie können auch Privatanleger breit diversifiziert, mit sehr niedrigen Kosten sowie ohne sinnloses Timing rentabel investierten. Indexfonds bilden ganze Börsenindices, wie beispielsweise den DAX oder den S&P 500, auf einmal ab. Folglich kann man durch das Investieren in Indexfonds große Menge von Wertpapieren auf einmal kaufen, zahlt jedoch nur einen einmaligen Preis, der quantitativ ca. so hoch ist, wie das erwerben einer einzelnen Aktie. Dazu kommt als weiterer Vorteil, dass diese Indexfonds ganz normal wie Aktien an der Börse gehandelt werden können und damit sehr liquide sind.

Die zentrale Frage seines Buches ist, wie man mit intelligenter Vorsorge, basierend auf ETF-Investments, den persönlichen finanziellen Ruhestand planen und gestalten kann.

Heller betont, dass man für das Investieren mit Indexfonds (z.B. ETFs) keinerlei finanzielles Expertenwissen benötigt. Ganz im Gegenteil, es reicht ein gesunder Menschenverstand und eine ehrliche und selbstreflektierende Lebensplanung vollkommen aus.

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Struktur:

Das Buch wurde in zehn Kapitel unterteilt:

1. Kapitel: Schöne neue Börsenwelt – Privatanleger sind die großen Gewinner

In diesem Kapitel geht Heller direkt auf die Vorteilhaftigkeit von Investitionen in Indexfonds/ETFs ein.

Als Plädoyer für ein Index-basiertes Investieren schreibt Heller korrekterweise, dass Forschungen aus der Finanzwirtschaft ergeben haben, dass über 90% des Risikos sowie der Rendite eines Portfolios von den in ihm enthaltenen Assetklassen bestimmt werden. Demnach sind weniger als 10% der oben genannten zwei Faktoren auf die Auswahl einzelner Wertpapiere und dem MarketTiming zurück zu führen.

Auch Hellers Fazit in Bezug auf das sog. Timing, welches insbesondere von „Börsenprofis“ praktiziert wird, ist klasse: „Die Börsen sind voreilig. Das heißt, die Wirtschaft ist nicht der Frühindikator der Börse, sondern umgekehrt.“ Timing ist folglich eine Verschwendung des persönlich wertvollsten Gut, der eigenen Zeit.

Die Vorteile vom investieren in ein ETF-Portfolio sind die folgenden:

  • müheloses investieren ohne großen zeitlichen Aufwand
  • maximale Sicherheit durch eine hohe globale Diversifikation
  • attraktive Kostenstruktur durch geringe Gebühren sowie seltenen Umschichtungen
  • individuelle Vermögensgestaltung gemäß dem eigenen Risikobedürfnis – nervenschonender
  • wenig komplexes, übersichtliches Depot mit wenigen Positionen
  • höchste Liquidität, da ständig börslich handelbar

 

2. Kapitel: Die Ängste und Sorgen der Deutschen

In diesem Kapitel geht Heller auf einige Thematiken ein, die für die deutsche Gesellschaft beängstigend sein können.

Heller beschreibt die finanziellen Gefahren für die deutschen Bürger, die durch ihre Angst vor dem Investieren in rentable Anlageklassen wie der Aktie, in einer gefährlichen Situation stecken. Denn auf dem Bankkonto gibt es keine Zinsen, dafür wird das Geld was dort liegt durch die stetige Inflation immer weniger wert. Hinzu kommen teure und dazu gänzlich unrentable Lebensversicherungen, in die sehr viele Bürger der Bundesrepublik investiert sind.

Daran anschließen tut sich die Altersarmut, die durch den demographischen Wandel noch wahrscheinlicher und gefährlicher wird. S, da die Renten selbst für Akademiker in den kommenden Jahrzehnten mehr als gefährdet sein werden. Heller hebt auch hervor, dass gerade Frauen aufgrund ihrer im Schnitt kürzeren Erwerbsbiografie sowie niedrigeren Gehältern extrem von der Altersarmut gefährdet sind, wenn diese privat nicht ertragreich investieren und sparen.

Außerdem sind viele Staaten rund um die Welt hoch verschuldet und die Chance einer oder mehrere Krisen schätzt Heller für die kommenden Jahre als zumindest nicht unwahrscheinlich ein.

Das Fazit dieses Kapitels ist, dass die Deutschen es anderen Ländern nachtun und wesentlich stärker in Anlageklassen wie Aktien investieren sollten, um den oben genannten Gefahren sowie Herausforderungen begegnen zu können. Am interessantesten in diesem Kapitel sind Hellers Ausführungen bzgl. der Finanzierungsstrukturen und -mechanismen andere Länder. Diese haben im Vergleich zu Deutschland signifikant „tragfähigere und zukunftsfestere“ Rentensysteme aufgebaut, die interessanter Weise z.B. in der USA, GB und den Niederlanden zu großen Teilen aus Kapitalanlagen finanziert werden. Norwegen hat beispielsweise den größten Staatsfond der Welt, mit einem Volumen von einer Billion US-Dollar, wobei dieser sich durch eine Aktienquote von 70 % kennzeichnet!

3. Kapitel: Das Märchen von den reichen Deutschen

In diesem Kapitel beschreibt Heller die falsche Wahrnehmung des deutschen Landes als ein sehr reiches Land. Wir sind zwar ein wirtschaftlich starkes, jedoch kein reiches Land!

So wurde Deutschland in dem jährlich erscheinenden Global Wealth Report der Allianz, der die Vermögensentwicklung aller Industrie- und Schwellenländer statistisch beschreibt, auf Rang 19 von 53 untersuchten Ländern gewertet! Noch schlimmer wird die Situation, wenn Immobilien zum Gesamtvermögen der Wertung integriert werden. Dann rangiert Deutschland nämlich unter den schlechtesten Schlusslichtern des Berichts! Noch hinter Ländern wie Griechenland, Spanien und Italien.

Ein ähnlicher Bericht aus dem Jahr 2013, angefertigt von der EZB, platzierte Deutschland ebenfalls weit unten im unteren Drittel der Untersuchungsgesamtheit!

Finnazbuch von Gottfried Heller: Die Revolution der Geldanlage

4. Kapitel: Der Euro – vom Wunschtraum zum Alptraum

Heller beschreibt in diesem Kapitel die wirtschaftlichen Zustände innerhalb der EU. Er geht auf die Europäische Zentralbank ein, die durch den gigantischen Ankauf von Anleihen im Wert von über zwei Billionen Euro die Finanzmärkte mit Geld geflutet hat und dadurch die Reformen in den südlichen EU Staaten gehemmt und gleichzeitig die Verschuldung nach oben getrieben hat!

5. Kapitel: Kein Leben ohne Risiko: Über Risiko und Belohnung

Im 5. Kapitel beschreibt Heller den vielleicht elementasten Börsen-Mechanismus: Das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko. Projiziert auf Wertanlagen bedeutet dies, dass risikoarme Assetklassen auch keine hohen Renditen erbringen können. Dagegen können Assetklassen die stärkeren Schwankungen unterliegen, langfristig auch höhere Rendite erzeugen. Fazit: Risiko und Rendite sind unzertrennbar. Merken!

In diesem Kapitel spricht Heller die weisen Empfehlungen aus, a.) langfristig sowie b.) breit diversifiziert zu investieren.

Im Bezug auf die zeitliche Komponente sollte man sich folgende interessante Fakten merken:

„Bei US-Aktien betrug die Wahrscheinlichkeit der Erzielung eines positiven Ergebnisses – basierend auf 91 Jahren Kapitalmarktgeschichte – bei fünft Jahren 87 %, bei zehn Jahren 94 % und bei 15 Jahren oder mehr 100 %“.

Ich kann dir nur empfehlen, dir dies gründlich zu merken! In anderen globalen Indices, etablierter Wirtschaftsnationen wird dies vermutlich nicht viel anders aussehen.

Zu guter Letzt betont Heller die Wichtigkeit einer niedrigen Korrelation zwischen den Assetklassen eines Portfolios und dem Vorteil von Portfolios, die aus verschiedenen Assetklassen bestehen. 

6. Kapitel: Anlegen in Zeiten der Nullzinsen

Kapitel 6 liefert eine tolle Übersicht über viele geläufige Sparformen. Zu den jeweiligen Sparformen/Anlageklassen nennt Heller die jeweiligen Merkmale, Vor- sowie Nachteile. Darunter sind u.a. Tagesgeld, Spar- und Termineinlagen, Bausparen, Lebens- und private Rentenversicherungen, Aktien, Anleihen, Zertifikate und Optionsscheine, Investmentfonds sowie Indexfonds.

Das Fazit dieses Kapitels lautet: „An Aktien führt kein Weg vorbei!“

Weiterer interessanter Fakt: Nur ca. 7% der Deutschen halten Aktien!

Heller hält Aktien für die Vermögensbildung „unverzichtbar“, was ich direkt unterschreiben würde. Denn die meisten Alternativen sind einfach mächtig unterlegen. Aktien sind der beste Schutz vor Inflation. Zudem schlagen Aktien langfristig alle anderen gängigen Anlageformen. Diese Aussage wird u.a. von einer langfristigen Studie des angesehenen Finanzprofessors Roger Ibbotson von der US-Eliteuni Yale gestützt.

Am interessantesten in diesem Kapitel sind Hellers Ausführungen zum Vergleich Aktien vs. Immobilien, den ich persönlich privat auch extrem spannend finde. Heller betont, genauso wie ich in meinem Artikel zum Vergleich REITs vs. Immobilien, dass Immobilien eine stark einschränkende Assetklasse ist. Sie sind sehr zeitaufwendig und deutlich illiquider als beispielsweise Aktien. Gem. einer langfristigen amerikanischen Studie werfen US-Wohnimmobilien eine nicht wirklich umwerfende jährliche Rendite von 2,9 % ab. Weitere Nachteile von Immobilieninvestitionen könnt ihr dem oben genannten Artikel entnehmen, in dem ich auf die Nachteile von Immobilieninvestitionen recht ausführlich eingehe.

Als letztes zeigt Heller die „stärksten“ drei Aktienklassen auf:

  1. Value-Aktien sind Growth Aktien überlegen
  2. Nebenwerte schlagen Standardwerte
  3. Schwellenländer- eine Empfehlung für jedes Portfolio!

 

7. Kapitel: ETFs – Die Revolution der Geldanlage

In diesem Kapitel beschreibt Heller ETFs im Detail. Er geht auf deren Entstehung und ihre internationale Entwicklung ein.

Heller definiert dann die Vorteile von ETFs:

  • Laufende Handelbarkeit an der Börse = hohe Flexibilität
  • Zu minimalen Kosten
  • Sicherheit = ETFs sind Sondervermögen (fallen somit nicht unter Konkursmasse)
  • Extrem geringer zeitlicher Aufwand

Heller hebt insbesondere die Vorteilhaftigkeit von ETFs im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds hervor. Diese sind ETFs sehr häufig aufgrund ihrer niedrigeren Rendite und bedeutend schlechteren Kostenstrukturen gerade über längere Anlagezeiträume (mehrere Jahrzehnte) unterlegen.

Eine Alternative sich ein eigenes ETF-Portfolio professionell strukturieren zu lassen, wäre z.B. durch sog. Robo-Advisor.

In den USA und anderen fortschrittlichen Staaten, arbeiten viele Bürger bereits zusammen mit Robo-Advisors. Möchtest du mehr über Robo-Advisor in der Finanzbranche lesen, kann ich dir diesen Artikel empfehlen.

8. Kapitel: So investieren Sie klug mit ETFs

Kapitel 8 ist eine praktische und gut nachvollziehbare Anleitung für das Investieren in ETFs.

Heller stellt den Leser als erstes vor die Frage, ob man mittels eines Sparplans oder einer Einmalanlage beginnen möchte zu investieren.

Heller beschreibt hier außerdem die Wichtigkeit ETFs als langfristige Anlage nicht zu traden, um die Kosten möglichst gering zu halten und Besteuerung somit ebenfalls aufzuschieben. Für diese Anlagestrategie eignen sich insbesondere sog. thesaurierende ETFs, die ihre Gewinne nicht ausschütten, sondern automatisch wieder reinvestieren. In Kombination mit dem Zinseszinseffekt ist diese Anlagemethode äußerst rentabel, wenn man z.B. auf etwas wie ein Haus oder eine zusätzliche „Rente“ spart, die im Idealfall ein paar Jahrzehnte entfernt ist.

In diesem Kapitel geht Heller sehr detailliert auf verschiedene ETF-Formen ein. Wie beispielsweise Value-ETFs, Emerging-Markets-ETFs, Dividenden-ETFs und Zinspapier-ETFS (Anleihen).

Zum Schluss dieses Kapitels geht Heller auf etwaige Vor- und Nachteile ETF-Investments ein.

9. Kapitel: Vermögensaufbau fürs Alter – privat vorsorgen, aber richtig:

Dieses Kapitel ist Hellers Appell für die eigene Rente mit rentablen Investments selbst vorzusorgen, da die meisten Deutschen arge Probleme mit ihren Renten bekommen werden. Heller kritisiert hier insbesondere die unrentablen staatlichen Vorsorgeprodukte. Gerade die berühmt-berüchtigte Riester-Rente bekommt ihr Fett weg. Erschreckend ist auch die Tatsache, dass andere Länder wie beispielsweise die Schweiz, Niederlande oder Frankreich, um nur ein paar zu nennen, Deutschland um Dimensionen in Sachen Altersvorsorge voraus sind. Deutschland befindet sich dbzgl. noch in der absoluten Steinzeit. Die Lösung dieses deutschen Problems ist aus Hellers Sicht, eine Reform, die die Aktie in Deutschland in den Mittelpunkt privater Vorsorge rückt und Aktieninvestments z.B. mit hohen steuerlichen Freibeträgen begünstigt.

10. Kapitel: Wie Sie die Revolution der Geldanlage am besten nutzen:

Um mit dem eigenen Investment eine maximal hohe Rendite bei möglichst geringem Risiko zu erwirtschaften, nennt Heller vier einfache Regeln:

  1. Aktieninvestments breit streuen (senkt das Risiko)
  2. International investieren (steigert die Rendite)
  3. überlegene Aktienklassen übergewichten (Substanzwerte mit hoher Dividende; Nebenwerte; Schwellenländer)
  4. Anlagehorizont verlängern (mindestens 5-10 Jahre)

Außerdem zeigt Heller in diesem Kapitel konkrete Vorschläge für die Strukturierung von ETF-Portfolios auf. Dabei differenziert er zwischen Portfolios für Einmaleinlagen und Sparplänen. Dem Kapitel ist eine List kostengünstiger und solider ETFs beigefügt mit deren Hilfe man sein eigenes Portfolio recht einfach strukturieren kann.

 

Fazit:

Dieses Buch von Gottfried Heller ist für mich eins der besten deutschen Finanzbücher. Es enthält klasse recherchierte Informationen zum Thema Finanzen. Hellers Ausführungen zum Investieren in ETFs sind besonders gut. Diese sind sehr objektiv, ausführlich und interessant geschrieben.

Ich kann dieses Buch sowohl Finanz-Profis als auch Finanz-Anfängern nur ans Herz legen. Aus meiner Sicht profitiert jeder von diesem gut strukturierten sowie informativen Buch.

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Written by Tommi