In diesem Artikel möchte ich euch eine interessante Investitions-Methode vorstellen, nach der ich jeden Monat einen Teil meines Geldes investiere, den sog. Cost-Average-Effekt, oder auch Cost-Average-Methode genannt.

Der Cost-Average-Effekt, zu Deutsch „Durchschnittskosteneffekt“, ist ein Effekt, der bei gleichbleibenden und regelmäßigen Anlagebeträgen in Wertpapiere entsteht.

Grundgedanke dieser Art zu investieren ist, dass durch die regelmäßigen gleich hohen Investitions-Beträge, der Anleger automatisch von fallenden Kursen profitiert und mehr Anteile erwirbt und bei steigenden Kursen demnach weniger Anteile erhält.

Es funktioniert also wie im Supermarkt: Wenn die Tomaten ein paar Euro/Cent günstiger sind, bekommt man für den ursprünglichen Preis nun ein paar Tomaten.

Durch diese Methodik kann der Anleger über einen gewissen Investitions-Zeitraum, zu durchschnittlich günstigeren Preisen seine Anteile erwerben.

Dabei werden die Auswirkungen der Cost-Average-Methode maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt:

  • die Länge des Anlagehorizonts und
  • die Volatilität (Schwankungen) der Kurse.

Auf die Länge des Anlagehorizonts und die Einschränkungen dieser Methode werden wir im weiteren Verlauf dieses Artikels noch zu sprechen kommen.

 

Beispiel für den Cost-Average-Effekt

Um den Cost-Average-Effekt möglichst nachvollziehbar zu erklären, im Folgenden ein Beispiel:

Kurt investiert jeden Monat 400 € Anteile an einer besonders angesagten Aktie via Sparplan.

Der Einfachheit halber gehen wir von recht starken Kursschwankungen aus, die dazu führen, dass Kurt jeden Monat volle Anteile durch seine Investitions-Methode erwirbt.

Kurt investiert vorerst ein Jahr, also zwölf Monate, mit der Cost-Average-Methode.

Cost-Average-Methode

Beispiels-Rechnungs: Cost-Average-Methode

Kurt hat nach einem Jahr insgesamt 4.800 € in die Aktie investiert und durch die Kurschwankungen der Aktie in Summe 37 Anteile erworben.

Der Kurs der Aktie steht am Ende des Jahres bei 100 €. Also 50%, bzw. 100 € weniger als der Einstiegskurs im Januar. Dieser betrug 200 €.

Mit einer Einmal-Investition von 4.800 € am Jahresanfang hätte Kurt somit am Ende des Jahres 2.400 € durch dieses Investment generiert. Einen Verlust von 2.400 € oder 50%!

Da Kurt aber mit der Cost-Average-Methode monatlich 400 € investiert hat, und 37 Anteile zu jeweils 400 € gekauft hat, hat er insgesamt 14.800 € an Wert generiert. Bedeutet, Kurt hat insgesamt 10.000 € Gewinn gemacht.

Rechnung:

    14.800 €          durch Kursgewinne

–   4.800 €            Investitionssumme gesamt

——————————————————————-

= 10.000 €            Rein-Gewinn

 

Dieses Beispiel zeigt, wie mächtig die Cost-Average Methode bei ordnungsgemäßer Anwendung ist. Durch die extrem großen Kursschwankungen in diesem Beispiel, die in der Realität so wohl selten vorkommen, wurde die Wirkung bzw. der Effekt der Cost-Average-Methode noch deutlicher.

 

Einschränkung der Cost-Average-Effekts

Der Cost-Average-Effekt verliert mit der Zeit an Wirkung. Je länger du also, mit Hilfe dieser Investitions-Methode investierst, desto weniger wirst du von dem Cost-Average-Effekt profitieren können. Warum? Ganz einfach, weil die bereits eingezahlten Beiträge nach einigen Jahren eine in der Regel beträchtliche Summe bilden. Insbesondere im Vergleich zu deinen weiterhin regelmäßigen Sparbeträgen.

Das nun „herangewachsene Depot wird bei größeren Kursveränderungen wertmäßig ebenfalls stärker schwanken und den Cost-Average-Effekt somit immer weiter minimieren.

Beispiel:

Kurt kauft im Januar und Februar zwei Anteile. Einmal zu 250 € und einmal zu 100 €. Kurt hat demnach durchschnittlich 175 € pro Anteil investiert.

Wenn Kurt jedoch bereits 25 Anteile zu 100 € gekauft hat und kauft den 26. Anteil zu 50 €, beträgt der Durchschnitt lediglich 98,08 €.

Eine weitere Einschränkung/Kritik gibt es in der Finanzliteratur seit Jahrzehnten vor allem in Bezug auf den Vergleich zwischen der Anwendung der Cost-Average-Methode und einer Einmal-Investition.

Viele Banken und Finanzanlage-Häuser nutzen den Cost-Average-Effekt aus, um Kunden bzw. Anleger zu ködern. Dabei erzählen die Berater, den weniger gut informierten Kunden, dass eine Investition via Cost-Average-Methode einem Einmal-Investment überlegen sein. Dies stimmt rein mathematisch gesehen aber nicht. Zudem hinkt dieser Vergleich, da er von diversen externen Faktoren, wie dem Zeitraum, dem Anlagetitel und der Kursentwicklung abhängig ist. Auf diese Einschränkungen werde ich in einem gesonderten Artikel eingehen, da sonst der Rahmen dieses Beitrags gesprengt wird.

 

Fazit zum Cost-Average-Effekt

Wie du jetzt wahrscheinlich selbst schon gemerkt hast, eliminiert man durch die Anwendung der Cost-Average-Methode die Notwendigkeit eines Market-Timings gänzlich. Dies ist insbesondere für Anleger mit wenig Investment-Erfahrung durchaus positiv.

Eben darum, finde ich diese Methode außerordentlich sympathisch. Statt den ganzen Tag damit zu verbringen, Kurse zu verfolgen und zu rätseln, wann der optimalste Zeitpunkt für das Einsteigen ist, ist man stets investiert.

Es gibt ein Motto an der Börse, das ich sehr weise finde: Der beste Zeitpunkt, um an der Börse zu investieren, ist jetzt! Mit der Cost-Average-Methode ist man stets investiert und kann sich mit anderen Gedanken beschäftigen.

So werden Timing-Fehler, d.h. das Verpassen des richtigen Zeitpunkts, zwar einerseits eliminiert, aber auch die Chance auf ein etwaiges richtiges Timing wird aus der Hand gegeben.

Positiv ist außerdem, dass man durch diese Methode des Investierens aus psychologischer Sicht, automatisch eine gewisse Disziplin beim Anleger erzwingt. Gefühls getriebenes Investieren wird durch solch einen automatisierten Sparplan komplett eliminiert.

Des Weiteren entstehen weniger große Verluste bei Kurseinbrüchen, da der Anleger nicht mit seinem gesamten Kapital investiert ist, sondern sukzessive investiert. Dies ist für die meisten Anleger meistens sehr nervenschonend.

Auch ist diese Methode insbesondere für Anleger empfehlenswert, die nicht über die nötigen finanziellen Mittel und das entsprechende Know-How verfügen, um sofort mit größeren Einmalbeträgen zu investieren. Solche Anleger können sich mit Hilfe des Cost-Average-Effekts über die ersten Monate/Jahre ein solides erstes Portfolio aufbauen, welches als Basis dient.

Zusammenfassend ist der Cost-Average-Effekt aus meiner Sicht für den durchschnittlichen Anleger oder den Anfänger, der sich gerade an der Börse ein erstes Fundament aufbauen möchte, absolut geeignet.

Zudem lassen sich die meisten Finanztitel, wie z.B. ETFs, Fonds, (viele) Aktien, mit einem Sparplan, d.h. der Cost-Average-Methode besparen.

Written by Tommi