Das Beten für die nächste Finanzkrise

Wann kommt endlich die nächste Finanzkrise? Diese Frage stellen sich einige Investoren, eingeschlossen meine Wenigkeit, seit langem.

Warum wünschen wir uns eine Finanzkrise, werden sich jetzt viele von euch fragen?

Ganz einfach, weil Krisen dafür sorgen, dass ich zu verdammt günstigen Preise höchst interessante und eigentlich gesunde Unternehmen kaufen kann.

In diesem Artikel möchte ich versuchen ganz neutral darzustellen, was der momentane wirtschaftliche Stand ist (gemäß diversen aktuellen Studien, Nachrichten, Investorenmeinungen etc.).

Fragen wie:

  • Wie entwickelt sich die Wirtschaft/Finanzmärkte aktuell?
  • Gibt es erste Anzeichen für eine (hoffentlich) bald kommende Finanzkrise?
  • Was könnten die Auslöser sein?

Möchte ich mit diesem Blog-Beitrag ein wenig genauer betrachten.

Zu guter Letzt, möchte ich euch auch sagen, wie ich mich persönlich auf die nächste Krise vorbereite. Was ist mein Mindset? Und wie strukturiere sowie plane ich meine persönliche finanzielle Lage, um bestmöglich gewappnet zu sein?

Viel Spaß bei diesem etwas kreativeren Blog-Beitrag.

 

Der (bisherige) Zyklus von Finanzkrisen

Der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe sagte einmal nüchtern sowie absolut treffend: „Krisen gehören zum normalen Ablauf der wirtschaftlichen Entwicklung im Kapitalismus, wie ein Gewitter zu einem heißen Sommertag.“

Finanzkrisen gab es in der Vergangenheit mit einer unheimlichen Regelmäßigkeit. Im Schnitt traten globale Finanzkrisen alle acht bis zehn Jahre auf.

Schaut man auf die letzte zurückliegende Finanzkrise zurück, merkt man, es wird langsam Zeit!

 

Der momentane globale Finanz- und Wirtschafts-Status Quo

Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) erwartet derzeit für die Weltwirtschaft das schwächste Wirtschaftswachstum seit der Finanzkrise 2007-2009.

Gründe für diese düstere Prognose sind insbesondere die immer häufigeren sowie größeren Handelskonflikte und diverse politische Spannungen zwischen unterschiedlichsten mächtigen Staaten.

Ziemlich skeptisch sieht sogar die Prognose der OECD für Deutschland aus. Die Prognose für den wirtschaftlichen Wachstum der Bundesrepublik wurde für dieses Jahr um 0,2 Punkte auf 0,5 gesenkt. Für 2020 wurde die Prognose für Deutschland sogar noch signifikanter heruntergeschraubt. Anstelle eines eigentlich prognostizierten Wachstums von 1,2 Prozent, geht die OECD für 2020 lediglich von 0,6 Prozent aus.

Als Export-Nation wird Deutschland natürlich besonders stark von der Handelskonflikten getroffen. Dies macht sich wie oben beschrieben, bereits jetzt bemerkbar.

Auch das globale für dieses Jahr prognostizierte BIP (Bruttoinlandsprodukt) wurde von 3,4 auf 2,9 Prozent reduziert.

Sorgen machen auch die zunehmenden Verschuldungen der Unternehmen weltweit. Unternehmen wie Netflix, Tesla, Hapag-Lloyd haben in den letzten Jahren Milliarden Dollar an Schulden angesammelt. Man merke, dies sind nur einige Kandidaten aus einem riesigen internationalen Pool!

Laut einer Studie der renommierten Unternehmensberatung McKinsey beläuft sich die Summe von weltweiten Krediten und Anleihen, die Unternehmen als Verbindlichkeiten zu bilanzieren haben, weltweit auf ca. 66 Billionen Dollar! Die Verbindlichkeiten bzw. die Verschuldung hat sich damit innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Schuld für diese extrem hohe Verschuldung ist insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB), die, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, von Unternehmen riesige Mengen an Anleihen kaufte. Die große Nachfrage der EZB führte dann zu einem Absinken der Zinsen, die die Unternehmen zu zahlen haben.

Durch diese Praktiken der EZB wurde der Anreiz für viele Unternehmen riesig, sich günstig Geld zu leihen.

 

Indizien für eine etwaige nächste Finanzkrise

Wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, sorgt insbesondere die zunehmende Verschuldung von Unternehmen für viel Sorgen.

Das Office of Financial Research, das nach der Lehman-Finanzkrise von der US-Regierung ins Leben gerufen wurde, um zukünftig wirtschaftliche und finanzielle Krisen frühzeitig zu identifizieren sowie prognostizieren, vermeldete bereits im Jahr 2017, die höchste Alarmstufe.

Hintergrund des Alarms waren die immer weiter sinkende Qualität der Kredite. Dieser Prozess vollzog sich 2017 schon mit einer angsteinflößenden Geschwindigkeit.

Und genau an dieser Stelle sind ganz klar Parallelen zu der Immobilien-Krise von 2007. Genau wie damals mit den Darlehen für amerikanische Häuser/Eigenheime, sind die Standards für Kredite (diesmal auf Unternehmensseite) im Sturzflug, während der Markt insgesamt weiterwächst.

Problematisch ist an dieser Stelle nur der Fakt, dass der globale Wert der Ramschanleihen 2017 bereits bei zwei Billionen US-Dollar lag….das 2,5-fache des Wertes von 2007.

Laut McKinsey werden in den kommenden drei Jahren mehr als acht Billionen US-Dollar an ausstehenden Anleihen fällig. Wobei der mit Abstand größte Teil von den Firmen getragen und somit zurückgezahlt werden muss.

Doch wie soll Fima X etwas zurückzahlen, was sie gar nicht besitzt. Dies wird folglich nur über weitere Kredite, d.h. Kredit geschehen (unter Umständen zu noch höheren Zinssätzen).  

Genau dies ist der springende Punkt. Die Notenbanken sind durch eben diesen Zustand praktisch dazu gezwungen, die Verschuldung durch neues sowie billiges Geld (Anleihen-Ankäufe, Kredite, niedrige Zinsen etc.) weiter anzuheizen. Die Verschuldung muss, damit es nicht zu einem neuen Crash kommt, gezwungenermaßen weiter ansteigen.

Die logische Folge dieser Teufelsspirale: Wir steuern weltweit mit absoluter Garantie auf die nächste Finanz-Krise zu.

 

Anlagevehikel/-instrumente und Strategien für die nächste Finanzkrise

Um diesen Abschnitt des Beitrags jetzt nicht zu sehr ausufern zu lassen, beschränke ich mich auf ein paar essenzielle und zentrale Dinge, die für mich im Hinblick auf die kommende Finanzkrise relevant sind.

Risiko streuen: Wer meinen Artikel zu meiner persönlichen Anlagestrategie kennt, weiß, dass ich äußerst breit diversifiziertes Portfolio habe.

Mein Portfolio ist nicht nur von den Asset-Klassen her diversifiziert, sondern auch von den Regionen.

Wer hier eine handfeste Anleitung für das bauen eines krisensicheren sowie breit-diversifizierten „All-Wetter-Portfolios“ benötigt, kann sich gern die Rezension zu dem Buch Die intelligente Asset Allocation, von William J. Bernstein anschauen. Meiner Meinung nach, eins der besten Finanzbücher überhaupt.

Warum ein breit diversifiziertes Portfolio so wichtig ist und was die Korrelation zwischen den verschiedenen Assetklassen dabei bedeutet, könnt ihr ebenfalls in einem Blog-Beitrag von mir nachlesen.

Selektives nachkaufen: Grundsätzlich werde ich von den bisherigen Titeln meines Anlage-Portfolios in einer Krise nichts verkaufen! Stattdessen werde ich Firmen, wie beispielsweise Bluechips und andere aus meiner Sicht interessante Unternehmen, die starke Kurseinbrüche erleiden mussten, stark nachkaufen.

Ich werde mich beim Nachkaufen primär auf Unternehmen konzentrieren, die ein langfristiges Geschäftsmodell besitzen (beispielsweise Pharma-, Nahrungsmittel- oder Bekleidungsbranche) und zudem in der Vergangenheit zuverlässige sowie großzügige Dividendenzahler waren.

Es gibt einen Spruch an der Börse, der diese Taktik für Krisenzeiten sehr gut beschreibt: “Wenn Blut auf den Straßen liegt, muss man erst recht nochmal zu stechen.“ Merken!

Kurz und zusammenfassen: An meiner grundsätzlichen langfristigen Anlagestrategie wird eine Krise absolut nichts ändern. Mein Portfolio wird, sofern sich entsprechende attraktive Optionen für mich offenbaren nur singulär erweitert.

Gold: Aus meiner Sicht sollte ein breit diversifiziertes Portfolio auch unbedingt (mehr oder weniger große Anteile) Anlageklassen wie Anleihen oder Rohstoffe enthalten.

Historisch betrachtet war Gold beispielsweise während Krisenzeiten immer eine sehr zuverlässige und zudem höchst rentable Investition! Ich habe meinem Portfolio bereits ebenfalls Gold beigemischt.

Und Anleihen enthält mein Portfolio so wie so 😀  

 

Wie „sorge“ ich finanziell für die nächste Krise vor?

Ich lege jeden Monat einen festen Betrag beiseite. Dieser Betrag wird in der Hoffnung gespart, dass ich in den nächsten Monaten oder Jahren „in den Genuss“ einer Krise komme und günstig an den Finanzmärkten shoppen gehen kann. Da ich nicht weiß, wann die Krise kommt, ich aber trotzdem möglichst viel meines Einkommens jeden Monat investieren möchte, ist dies nicht all zu viel.

Den Betrag muss jeder Investor für sich selbst festlegen und errechnen. Bei mir sind es momentan ca. zehn Prozent meines Netto-Einkommens als Arbeitnehmer.

 

Fazit

Krisen sind aus meiner Sicht das Beste, was einem Investor passieren kann (natürlich unter der Voraussetzung, dass die Krisen möglichst früh während der Investoren-Karriere erscheinen und auch irgendwann wieder zu Ende sind).

Langfristige Investoren, die über ein solides, breit diversifiziertes Portfolio verfügen, brauchen aus meiner Sicht keinerlei Angst vor einer Krise haben. Ganz im Gegenteil sollten sie beten, dass Krisen möglichst rechtzeitig in ihrer Investoren-Karriere erscheinen.

Um Krisen adäquat nutzen zu können, sollte man für sich selbst einen Schlachtplan mit fixen Regeln entwickeln, um nicht den eigenen Emotionen zu erliegen. Unter Umständen bietet es sich beispielsweise an, detailliert im Vorfeld festzulegen, welche Art von Titel man erwerben möchte.

 Zudem sollte man liquide sein! Wer keine Kohle zum Investieren hat, wird eine Krise nicht maximal effektiv nutzen können!

Ein weiterer Tipp von meiner Seite ist für alle zukünftigen Finanzkrisen (und eigentlich auch generell), die meisten Medien und deren verzerrte oder zum größten Teil auch schlichtweg falsche Berichterstattung zu ignorieren. Ich kann mir vorstellen, dass man damit gut fährt. Ich werde auf jeden Fall (versuchen) so handhaben,

Quellen:

  • https://www.faz.net/aktuell/finanzen/strategie-trends/finanzkrisen-die-grosse-krisengrafik-11827922-p2.html
  • https://www.zeit.de/2018/37/finanzkrise-verschuldung-unternehmen-lehman-brothers
  • https://www.cicero.de/wirtschaft/finanzkrise-lehman-brothers-banken-schulden-zinsen
Written by Tommi