Frugalismus – Geiz oder Grips?

Frugalismus – ein bewussteres Leben

Inhalt:

Wer sich ein wenig intensiver mit dem Thema „persönliche Finanzen“ und/oder „Investieren“ auseinandersetzt, stößt früher oder später auf das Thema Frugalismus.

Die meisten, die auf dieses Thema stoßen, setzen sich jedoch recht oberflächlich mit dieser Lebenseinstellung auseinander. Zum größten Teil bekommt man dann zu hören, dass Frugalismus eine absolut radikale und nicht lebenswerte Einstellung ist, die von unsozialen Freaks gelebt wird.

Viele Menschen denken, dass Frugalisten in etwa folgendermaßen zu beschreiben sind:

  • primär alternativ-denkende Personen,
  • die sich nur selten waschen, um die Wasserkosten zu sparen,
  • ihr Essen selbst im Garten anbauen, um nicht im Supermarkt unnötig Geld auszugeben und
  • in riesigen WGs wohnen, um die Miete minimal zu halten.

Kurz: Frugalisten scheinen geizige und komische Zeitgenossen zu sein, an denen die schönen Dinge des Lebens vorbei gehen.

Um dieser etwas stumpfen Meinung entgegen wirken zu können, und Frugalismus ein wenig neutraler und differenzierter darzustellen, geht es in diesem Artikel.

Ich möchte mit diesem Beitrag zeigen, dass es durchaus sinnvolle Ideen und Perspektiven gibt, die du dem Frugalismus entnehmen kannst.

 

Definition/Beschreibung Frugalismus

Das Wort Frugalismus kommt ursprünglich vom englischen Wort „frugal“. Dies bedeutet sparsam oder bescheiden.

Frugalisten kennzeichnet in der Regel, dass sie sehr bewusst leben, konsumieren UND mit Geld umgehen.

Nach Aussage des ziemlich berühmten deutschen Frugalisten Florian Wagner, der ebenfalls einen sehr interessanten und guten Finanz-Blog besitzt, geht es Frugalisten primär um ein bestmögliches und zufriedenes Leben. Florian findet, dass sich seine Lebensqualität durch seinen frugalistischen Lebensstil sogar erhöht hat.

 

Geschichte und Ursprung des Frugalismus

Wie hätte es anders sein können…der Frugalismus hat seinen Ursprung in den USA.

In den USA leben bereits tausende Menschen ein frugalistisches Leben. Sie tauschen sich dabei primär über das Internet aus, wie sie bewusster Leben können und intelligenter investieren sowie sparen.

Die Entstehung des Frugalismus wird oft durch die Veröffentlichung des Buches Your Money or Your Life, geschrieben von J. Dominguez sowie V. Robin, begründet.

Dominguez konnte als Investmentbanker bereits mit 31 Jahren freiwillig in Rente gehen und von seinen Kapitalerträgen leben. Er lernte die Umweltaktivistin V. Robin kennen, und zusammen begannen sie sich darüber Gedanken zu machen, wie man finanziell bewusster lebt.

Ich kann das Buch übrigens auf jeden Fall empfehlen. Es enthält großartige Denkansätze und Perspektiven, um sein eigenes Konsumverhalten und generell das Leben kritisch zu reflektieren.

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Das Buch gibt es sogar ebenfalls als deutsche Übersetzung:

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Der Trend wurde insbesondere in den USA von anderen nun in der Finanzbranche sehr berühmten Personen fortgeführt. Besonders bekannt ist der Finanzblogger Mister Money Mustache, dessen Blog ich auf jeden Fall ebenfalls empfehlen kann.

Er ist Teil einer immer größer werdenden Bewegung, die sich FIRE nennt (Financial Independence Retire Early). Die Menschen dieser Bewegung können aufgrund ihres frugalistischen Lebensstils meist schon deutlich vor ihrem eigentlichen gesetzlichen Rentenalter mit dem Arbeiten aufhören.

 

Frugalisten & Finanzen

Viele Frugalisten, die ich kenne und verfolge, gehen sehr bewusst mit ihren Finanzen um. Sie sind finanziell solide gebildet und verfolgen meist einen individuellen Finanzplan.

Die meisten Frugalisten bilden sich finanziell sehr regelmäßig und intensiv weiter. Denn durch eine entsprechende finanzielle Bildung, lässt sich eine finanzielle Unabhängigkeit und Freiheit noch deutlich früher erreichen. Frei nach dem Kredo: Arbeite nicht für dein Geld, sondern lass dieses für dich arbeiten.

Auf der einen Seite versuchen sie z.B. durch Dividenden, Kapitalerträge und ihre eigene Arbeitskraft ihren Kontostand zu maximieren.

Auf der anderen Seite verfügen Sie oftmals über eine intelligente und minimal gehaltene Ausgabenstruktur. Ein Frugalist versucht seine Ausgaben so gering wie möglich zu halten, indem er sich bewusst Gedanken über sein Konsumverhalten macht. Er vermeidet es grundsätzlich, Geld für unnötige oder übertrieben teure Dinge auszugeben. Insbesondere dann nicht, wenn es andere adäquate Optionen gibt, die den Zweck mit einem geringeren finanziellen Aufwand erfüllen.

Das Resultat ist im Normalfall, dass ein Frugalist finanziell meist sehr gut gestellt ist. Wenn das Geld dann auch noch sinnvoll investiert wird, ist eine finanzielle Unabhängigkeit deutlich vor dem gesetzlichen Rentenalter sehr realistisch. Und dies ist sogleich die Überleitung zum nächsten Punkt: Dem Ziel der Frugalisten.

 

Dank Sparen, Investieren und Genügsamkeit mit 40 in Rente!

Wie oben bereits angesprochen kann ein Frugalist in der Regel sehr, sehr früh in Rente gehen. Es gibt viele Berichte von Personen, die mit Anfang oder Mitte dreißig bereits hätten aufhören können mit dem Arbeiten.

Grund dafür sind die oben beschriebenen beiden Säulen: Zum einen die möglichst gering gehaltenen Ausgaben und zum anderen die möglichst hohen Einnahmen. Diese werden nicht durch Geiz erzeugt und gehalten, sondern vielmehr durch einen sehr bewussten, konsequenten und intelligenten Lebensstil.

Gerade wenn du es schaffst, so einen Lebensstil über einen längeren Zeitraum konsequent zu hochzuhalten, kannst du beachtliche finanzielle Mittel anhäufen (Schau dir dazu unbedingt einmal meinen Beitrag zum Thema Zinseszins an!).

 

Kritik am Frugalismus

Viele Menschen, die sich nur oberflächlich mit dem Thema Frugalismus auseinandersetzen, kritisieren oft, dass Frugalisten kein schönes oder glückliches Leben führen. Das Begründen sie mit dem angeblich so hohen Verzicht, dem die Frugalisten durch ihren finanziellen Geiz und ihre Genügsamkeit ausgesetzt sind.

Für die meisten Mitmenschen ist das Leben dazu da, all ihr gerade verdientes Geld stets wieder direkt zu verprassen, um das Leben so in vollen Zügen genießen zu können.

Zudem interpretieren viele Menschen das Wort „Sparen“, als sehr negativ und kritisch. Eine Person, die diszipliniert spart, wird meist mit einem Knauser oder Geizhals gleichgesetzt, die das Leben nicht genießen tut.  

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass angeblich nicht jeder Mensch frugalistisch leben kann. Frugalismus sei nur eine Alternative für Gutverdiener und Akademiker. Denn Menschen mit einem niedrigeren Einkommen oder Vermögen, könnten niemals genug Geld beiseitelegen bzw. investieren.

 

Fazit zur frugalistischen Lebenseinstellung

Ich persönlich finde die Grundidee des Frugalismus, durch finanzielle Bildung und ein bewussteres Leben immer mehr finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, klasse.

Sicherlich kann jemand mit einem höheren Einkommen, auch mehr sparen. Doch jeder Mensch hat auch die Chance, sich in seinem eigenen Leben weiter zu entwickeln und demnach mehr zu verdienen. Sei es durch zusätzliches Arbeiten oder durch berufliche und finanzielle Weiterbildungen.

Allein ein intelligentes finanzielles Engagement mit Investitionen wie Aktien, ETFs oder REITs führt in der Regel zu einem über die Zeit konstant steigenden Vermögen und Einkommen.

Wer lieber ohne großes Bewusstsein konsumiert, und dafür bis zu seinem gesetzlichen Rentenalter arbeiten möchte, kann dies gern tun.

Wer jedoch davon träumt, deutlich früher finanziell unabhängiger und freier zu werden, sollte sich mit dem Thema Frugalismus aus meiner Sicht auf jeden Fall auseinandersetzen.

Sicherlich gibt es unter den Frugalisten auch einige Personen, die das „bewusst Leben“ zu wortwörtlich und radikal nehmen, und die unter Umständen tatsächlich auf sehr viel verzichten. Doch die Entscheidung, inwieweit man bewusster leben, sparen und investieren möchte, ist am Ende des Tages, jedem selbst überlassen.

 Wir leben heut zu Tage in einer sehr stark von Konsum geprägten Gesellschaft, die leider oftmals stark durch Materialismus geprägt wird. Frugalismus bietet aus meiner Sicht eine interessante Gegenströmung und Alternative, um reflektierter sowie bewusster leben zu können.

Letztendlich hat mich der Frugalismus sensibilisiert, bei manchen Kaufentscheidungen bewusster zu agieren und meine finanzielle Planung noch detaillierter zu betreiben – denn die Möglichkeit finanziell so früh wie möglich unabhängig zu sein, finde ich sehr attraktiv.

Egal wie viel Geld ich in den nächsten Jahren ansparen, ich würde niemals aufhören zu arbeiten. Doch die Möglichkeit sich selbst aussuchen zu können, was, wie viel und für wen man arbeitet, finde ich extrem spannend und erfüllend.

Rein psychologisch ist ein unabhängigeres und freies Leben einfach schön und erstrebenswert.

Written by Tommi