Konzentriertes vs. diversifiziertes Investieren

Konzentriertes vs. diversifiziertes Investieren

Konzentriertes vs. diversifiziertes Investieren

Wenn du dich mit dem Thema Investieren erstmals ein wenig auseinandersetzt, bekommst du häufig den Ratschlag, nicht alle Eier in ein Nest zu legen. Übersetzt heißt das, du sollst nach Möglichkeit ein breit diversifiziertes Portfolio aufbauen.

Diversifiziert bedeutet in der Finanzwelt, dass dein Portfolio beispielsweise aus mehreren Asset-/ Anlageklassen besteht. Hier bietet es sich besonders an, in Anlageklassen zu investieren, die negativ miteinander korrelieren (Zu diesem Thema habe ich auf meinem Blog einen Artikel geschrieben, den du dir gern anschauen kannst!).

Des Weiteren kannst du dein Portfolio natürlich ebenfalls diversifizieren, indem du in verschiedene Branchen, Länder oder Kontinente investierst.

Es gibt jedoch auch einige sehr erfolgreiche Investoren, die eine komplett konzentrierte und Anlagestrategie verfolgen und ihr Portfolio mit Absicht nicht diversifizieren.

In diesem Artikel möchte ich dir die Vor- und Nachteile dieser beiden Strategien aufzeigen. Zudem möchte ich dir zeigen, welche Art von Investor aus meiner Sicht diversifiziert oder aber konzentriert investieren sollte.

 

Wer sollte diversifiziert investieren?

Grundsätzlich lässt sich wohl klar definieren, dass ein sehr unerfahrener und unsicherer Anleger, sich lieber ein stark diversifiziertes Portfolio strukturieren sollte.

Die Gefahr bei Amateuren oder Finanz-Neulingen, dass fundamentale finanzielle Fehlentscheidungen getroffen werden, ist einfach zu groß. Wenn dann in einzelne oder wenige Werte (zu) viel Geld investiert wird, kann dies u.U. böse Folgen haben. Beispielsweise Totalverluste und/oder Verschuldung.

Aus meiner Sicht ist die Gefahr am Aktienmarkt sehr schnell, sehr viel Geld zu verlieren deutlich größer, wenn du als unerfahrener Anleger dein Geld in einige wenige Titel investierst.

Kritisch können hier nicht nur Aktien sein! Sondern auch Fonds oder ETFs können starken Schwankungen unterliegen (es existieren viele gehebelte oder aber auch Branchen-/Trend-ETFs, die ebenfalls einen hohen Risikograd mit sich bringen).

Deshalb sollte man sich vor jedem Investment gründlichst informieren! Das kann via Bücher geschehen – denn es gibt mittlerweile haufenweise gute Finanzbücher – oder aber durch den Rat von wirklichen Finanzexperten. Ein wirklicher Finanzexperte sollte dabei nachweisen können, dass er selbst bereits lange erfolgreich investiert.

Ist ein breit diversifiziertes Portfolio erst einmal sinnvoll strukturiert und aufgebaut, erfordert dies normalerweise nur noch wenig Pflege und der Besitzer kann sich relativ entspannt zurücklehnen.

Durch ein diversifiziertes Portfolio wird einem Investor der Druck genommen, mit (fast) jeder seiner Investitionen Recht zu haben und eine hohe Rendite zu generieren. Je mehr Titel im Portfolio vorhanden sind, desto weniger wiegen zudem ein paar Titel, die unter performen.

Zudem kommt hinzu, dass gerade in Krisenphasen vernünftig diversifizierte Portfolios weniger volatil als konzentrierte Portfolios sind. Ein Anleger kann so deutlich ruhiger schlafen.

Ein klarer Nachteil eines diversifizierten Portfolios ist, dass die Chance den Markt deutlich zu schlagen, sehr gering ist. Dafür kann man langfristig auf eine sehr stetige und solide Rendite hoffen.

 

Wer sollte konzentriert investieren?

Es existieren aus meiner Sicht durchaus einige starke Argumente, um als erfahrener und interessierter Investor, einen konzentrierten Investment-Ansatz zu verfolgen.

Wenn du wirklich über ein fundiertes Finanzwissen verfügst und dich regelmäßig mit deinen Investitionen auseinandersetzen möchtest, kann ein konzentrierter Investment-Ansatz eine deutlich höhere Rendite generieren, als dies ein diversifizierter vermag.

Der äußerst bekannte Investor und Autor Robert Kiyosaki, befasst sich mit eben dieser Frage in seinen Weltbestsellern. Er empfiehlt, sofern man über die entsprechende finanzielle Bildung und Intelligenz verfügt, einen konzentrierten Investment-Ansatz zu verfolgen.

Ein klassisches Beispiel wäre hier die Entwicklung eines Unternehmens, die ein erfahrener Investor u.U. prognostizieren oder erahnen kann. Antizipiert der Investor eine Kursveränderung eines Unternehmens richtig und investiert hier eine größere Summe, kann er so natürlich eine beträchtliche Rendite generieren (Das Risiko eines hohen Verlustes existiert natürlich ebenfalls). Diese Rendite kann dann das Vielfache der durchschnittlichen Marktrendite oder der Performance eines stark diversifizierten Portfolios betragen.

Wer solch einen Investment-Ansatz verfolgt, sollte natürlich möglichst wenig Fehler machen. Denn jeder Fehler, ist im Rahmen solch einer Strategie besonders teuer.

Konzentrierte Investmentansätze verlangen auch ein deutlich robusteres Nervenkostüm. Wer hier bei Kurseinbrüchen oder Krisen panisch wird oder nachts kein Auge mehr zubekommt, sollte die Finger von solch einer Strategie lassen.

 

Durch welchen der beiden Ansätze wird man schneller reich?

Diese frage lässt sich definitiv nicht pauschal beantworten. Denn wenn du nicht über ein außerordentliches Expertenwissen verfügst, wirst du ohne das nötige große Glück auch nicht durch einzelne große Investitionen reich – sondern wahrscheinlich eher ärmer.

Verfügst du über ein außerordentliches Expertenwissen sowie das nötige Quäntchen Glück, kannst du mit konzentrierten investieren sicherlich viel Geld machen und u.U. ebenfalls „reich“ werden.

Als Anfänger oder Laie, ist die Chance wohlhabend(er) oder reich(er) zu werden, wohl mit einem diversifizierten Portfolio aus meiner Sicht deutlich wahrscheinlicher und empfehlenswerter.

Zumindest, bis zu jenem Zeitpunkt, an dem du dir die nötige Expertise angeeignet hast und selbstständig fundierte konzentrierte Finanzentscheidungen treffen kannst. 

Bei der Beantwortung dieses Frage wird oftmals auf besonders reiche Menschen verwiesen, die durch einen konzentrierten Ansatz ihr Vermögen aufgebaut haben. „Vergessen“ wird hier jedoch oftmals, dass dies nur relativ wenige Menschen geschafft haben.

Des Weiteren wird unterschlagen, dass viele andere, die ebenfalls solch einen Ansatz verfolgt haben, damit ein Vermögen verloren haben.

 

Was sagt die Wissenschaft zu diesen beiden Ansätzen?

Es gibt einige anerkannte Studien aus Top-Journalen, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben. Besonders interessant finde ich die Studie von Lu Zheng, Clemens Sialm und Marcin Kacperczyk.

Im Rahmen ihrer Studie stellten die Autoren 1770 Fonds zusammen und entwickelten daraus anschließend einen Konzentrationsindex. Mit Hilfe dieses Konzentrationsindex ordneten die Autoren den Portfolien ein Diversifikations-Grad zu.

Das Ergebnis dieser Studie zeigte sehr deutlich, dass die Performance von konzentrierten Portfolios, die von diversifizierten Portfolios signifikant übertraf. Die Autoren errechneten einen durchschnittlichen jährlichen Rendite-Unterschied von 4,55 %.

Es existieren einige weitere Studien, die zu einem ähnlichen Ergebnis kommen.

 

Wie schaut mein Ansatz aus?

Ich betreibe beide Strategien nebeneinander.

Ich besitze ein sehr schlichtes ETF-Dividendenportfolio, in das ich monatlich investiere. Dies besteht aus vier Titel, die die Märkte USA, Europa, Asien und Welt abbilden. Hier handelt es sich um ausschüttende ETFs. Dies ist mein stark diversifiziertes Portfolio.

Das restliche Geld wird selektiv und weniger diversifiziert, sondern stark konzentriert in REITs und Aktien investiert.

Hierbei ist mein Investmentansatz stark darauf ausgerichtet, in Unternehmen zu investieren, die mir möglichst langfristig, maximal hohe Dividenden zahlen.

Zum anderen investiere ich in Unternehmen, bei denen ich davon ausgehe, dass deren Kurs sich in den kommenden Jahren stark verbessern wird. Oft sind dies stark unterbewerte Unternehmen oder Unternehmen, die vor einem starken Wachstum stehen. Wenn ich hier Unternehmen finden kann, die zudem auch noch brav Dividenden zahlen – umso besser!

 

Fazit

Aus meiner Sicht ist a) die Erfahrung und b) die individuelle Risikotoleranz bestimmend für die Wahl zwischen einem diversifizierten oder einem konzentrierten Investmentansatz.

Für Anleger, die möglichst wenig Zeit und Muße in ihre persönliche Finanzen investieren wollen, empfiehlt sich ein breit diversifiziertes Portfolio (beispielsweise aus ETFs) wohl deutlich mehr.

Für Investoren, die wirklich Spaß am Investieren haben und sich bereits eine große Finanz-Expertise angeeignet haben, kann es durchaus rentabel sein, konzentrierte zu investieren.

Tipp: Wer beispielsweise ein sehr großes Portfolio besitzt, das rein aus Einzeltiteln besteht – beispielsweise Aktien – sollte u.U. lieber auf ETFs zurückgreifen. Denn diese sind meist deutlich kostengünstiger. Hinzu kommt, dass je mehr Titel das eigene Portfolio irgendwann beinhaltet, desto größer die Chance, dass man sich der durchschnittlichen Marktrendite nähert. ETFs bieten sich hier gerade für Anleger an, die nicht über eine starke Expertise im Bereich der Finanzmärkte verfügen.

 

Quellen

http://pages.stern.nyu.edu/~sternfin/mkacperc/public_html/conc.pdf

Written by Tommi