One Up On Wall Street – Peter Lynch

One Up On Wall Street von Peter Lynch ist ganz sicher unter meinen Top-5 Finanzbücher, die ich je gelesen habe.

 Lynch war Investmentfondsmanager des berühmten Magellan Fund. Mit dem Magellan Fund erreichte Lynch in dem Zeitraum von 1977 bis 1990 eine durchschnittliche jährliche Rendite von unglaublichen 29,2 %.

Lynch publizierte einige sehr erfolgreiche Bücher, in denen es primär um Anlagestrategien für Privatanleger geht.

 One Up On Wall Street ist dabei das älteste, aber wohl bekannteste Finanz-Buch, das Lynch publiziert hat.

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Lynch’s Anlagestrategie:

Auf den ersten Seiten von Peter Lynchs Buch beschreibt er seine eigene Strategie in wenigen Sätzen sehr aussagekräftig: „I own stocks where results depend on ancient fundamentals: a succesful company enters new markets, its earnings rise, and the share price follows along. Or a flawed company turns itself around. The typical big winner in the Lynch portfolio generally takes three to ten years or more to play out.”

Der wichtigste erste Anlage-Hinweis für Privatanleger lautet nach Lynch, dass du dich an der Entwicklung der Gewinne orientieren sollst! Die Entwicklung der Gewinne eines Unternehmens sind nach Lynch maßgeblich dafür, ob sich dein Investment auszahlen wird, oder nicht.

Bevor du in ein Unternehmen investiert, solltest du gemäß Lynch stets deine Hausaufgaben machen, und die Gewinne der Firma, die gesamte finanzielle und Wettbewerbs-Situation, Pläne für Expansionen etc. analysiert haben.

Lynch rät zudem vehement von Investitionen in reine „Internet-Firmen“ ab. Zu unbeständig, wechselhaft und nicht vorhersehbar ist deren Entwicklung (für Spekulanten mag dies klasse sein, nicht aber für Anleger mit einem längeren Investment-Horizont). Lynch schreibt in seinem Buch, dass er eine „Allergie“ gegen High-Tech-Firmen / -Investitionen hat (hier bin ich absolut auf seiner Seite).

Lynch präferiert stattdessen Geschäfte/Firmen aus eher „langweiligen“, dafür jedoch beständigen Branchen oder Firmen die indirekt von der fortschreitenden Entwicklung des Internets oder anderen Technologien profitieren.

Außerdem sollten Privatanleger sich nach Lynch stets mit offenen Augen und Ohren in ihrem Alltag bewegen, um potenzielle Investment-Möglichkeiten aufzuspüren. Viele seiner besten Investitionen fand Lynch durch Aufenthalte in Hotels, Einkäufen in Supermärkten, Restaurants oder dem eigenen Arbeitsplatz.

Lynch nennt Firmen, die sich extrem gut entwickeln Bagger. Mega-baggers sind für Lynch Firmen, der Aktienwert sich vervielfacht. Mega-baggers kannst du nach Lynch in jeder Branche finden – deshalb sollten wir stets versuchen, alles was in unserer Umgebung passiert und sich entwickelt, genaustens zu beachten. 

Eine von Lynchs Grundthesen finde ich am interessantesten und sehr plausibel: Wir brauchen nicht mit jeder Investition Geld machen! So reichen theoretisch sechs von zehn Titeln in einem Portfolio, um mehr als befriedigende Gewinne zu generieren! Hintergrund ist, dass die Verluste nach unten gedeckelt sind, die Gewinne sind es nach oben jedoch nicht. Demnach reichen einige richtig fette Gewinner für einen mehr als guten Schnitt, denn diese können ein Portfolio logischerweise von ganz allein in eine positive Richtung navigieren (Für mich eine der wichtigsten Botschaften!).

Peter Lynch - One Up on Wall Street -

Strukturierung von One Up On Wall Street:

Das Buch ist in drei Abschnitte aufgeteilt:

Der erste Abschnitt beinhaltet die Vorbereitungen, die du treffen solltest, bevor du anfängst zu investieren. Unterpunkte sind:

  • Ein Selbst-Assessment als Aktien-Investor
  • Die Konkurrenz (Portfolio-Manager, „Börsen-Experten“ etc.)
  • Bewertung, ob Aktien riskanter sind als Anleihen
  • Einschätzung der eigenen finanziellen Bedürfnisse
  • Entwicklung einer erfolgreichen Aktien-Auswahl-Strategie

Der zweite Abschnitt, Picking Winners“, setzt sich aus den folgenden Thematiken zusammen:

  • Wie du erfolgsversprechende Titel identifizierst
  • Worauf du bei einer Firma achten solltest
  • Was du meiden solltest
  • Wie du Broker, Jahresberichte und andere Ressourcen nutzt
  • Kennzahlen

Der dritte und letzte Abschnitt, „The Long-Term View“, behandelt folgende Punkte:

  • Wie du ein Portfolio designst/strukturierst
  • Wie du dich up-2-date hältst bzgl. interessanter Unternehmen
  • Wann du kaufst, und wann du verkaufst
  • Futures/Optionen
  • Generelle Anmerkungen über die „Gesundheit“ der Wall Street, amerikanischer Unternehmen, und dem Aktien-Markt

Ich werde im Folgenden auf keinen Fall auf alle Punkte en Detail eingehen. Vielmehr habe ich für euch die wichtigsten und interessantesten Punkte rausgesucht. Ich werde die drei Abschnitte versuchen aggregiert zusammen zu fassen.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen dieser Rezension.

 

Abschnitt 1: Preparing to Invest

Die ersten beiden Lehren, die Lynch in diesem Abschnitt für sich nach 20 Jahren als erfolgreicher Investor zieht, sind,

  • dass man die Märkte nicht prognostizieren kann und,
  • dass es selbst zerstörerisch ist, zu versuchen in „gute“ Märkte zu investieren, und aus „schlechten“ auszusteigen.

Lynch merkt interessanter Weise an, dass ihm das Geschichts- und Philosophie-Studium deutlich stärker an den Finanzmärkten geholfen hat, als irgendwelche Statistik- und Finanzkurse. Dies finde ich insofern sehr interessant und bestätigend, als das sowohl der große Kostolany und auch John C. Bogle in ihren Büchern darüber geschrieben haben.

Alle drei ziehen ein einheitliches Fazit: Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird in der Gegenwart und Zukunft Probleme haben. Diese These unterschreibe ich.

Logisches Denken war das, was Lynch am meisten an den Finanzmärkten geholfen hat.

Was Lynch nach eigenen Aussagen in seiner Karriere außerdem so erfolgreich gemacht hat, ist, dass er beim Investieren nicht mit dem Verhalten der Masse gegangen. Stattdessen hat er die größten Erfolge mit Unternehmen/Branchen generiert, die von der Allgemeinheit/Mehrheit aus diversen Gründen als „schlecht“, unrentabel oder uninteressant bewertet wurden.

Gerade mit Unternehmen aus langweiligen oder wenig angesehenen Branchen (z.B. die Beerdigungs- oder Müll-Branchen generierten Lynch unglaublich hohe Renditen).

Am liebsten waren Lynch nach eigenen Angaben Unternehmen mit einem nicht-modischen oder gar schrecklichen Namen, die in einer langweiligen, dafür aber hoch-profitablen Branche agieren.

Das Investieren in einen Titel macht Lynch insbesondere davon abhängig, ob die sog. Fundamentals stimmen. Fundamentals sind dabei bestimmte finanzielle Kennzahlen und wirtschaftliche Eckdaten, auf die wir später noch en Detail zu sprechen kommen.

Zudem investierte Lynch zu gern in sog. Turn-Arounds. Firmen die in wirtschaftlichen/finanziellen Schwierigkeiten stecken. Wenn die Fundamentals stimmten und ebenso andere Gründe für eine Regenration der Firma sprachen, erzielte Lynch insbesondere mit solchen Unternehmen galaktische Gewinne.

Außerdem betont Lynch, das private Anleger/“Amateure“ große und gravierende Vorteile im Gegensatz zu sog. Profis haben:

  • Wir können stets in alle Titel investieren und sind an keine regulatorischen Vorgaben gebunden (Höhe des Investments, Anteilsbesitz, etc.).
  • Wir können rentable Investment-Möglichkeiten in unserem Alltag lange bevor den Experten identifizieren.

Bevor du in Aktien investierst, solltest du dir gemäß Lynch drei elementare Fragen stellen:

  1. Besitze ich ein Haus?
  2. Benötige ich das Geld?
  3. Habe ich persönliche (geistige/intellektuelle) Qualitäten, die mir Erfolg mit Aktien bringen werden?

Ad. 1.: Wenn du ein Haus besitzt, solltest du stark abwägen inwiefern du bereit bist, in Aktien etc. zu investieren. Denn ein Haus, oder mehrere können ebenfalls als langfristige Wertanlage angesehen werden.

Ad. 2.: Investiere nur das Geld, was du ohne Probleme verlieren kannst, ohne dass dies irgendwelche negativen Konsequenzen für dein Leben mit sich ziehen würde.

Ad. 3.: Lynch geht mit diesem Punkt insbesondere auf die „psychologische Stabilität“ ein, die du als erfolgreicher Anleger mitbringen musst! Bist du in der Lage „Trends“ zu ignorieren, auch wenn alle deine Freunde und Bekannten dir „dringend“ einen Kauf nahelegen? Besitzt du die Geduld, auf rentable Investment-Möglichkeiten zu warten? Kannst du ohne Panik Phasen der Märkte aussitzen, an denen die Kurse zweistellig über Monate/Jahre fallen? Traust du dich totgesagte und langweilige Titel zu kaufen? Das sind nur einige wichtige Fragen, die du in Summe mit „ja“ beantworten können solltest, oder dich stattdessen lieber von Aktien-Investments distanzieren solltest.

Meine Key Take-Aways aus dem 1. Abschnitt:

  • Nutze dein eigenes individuelles Wissen bei Investitionen.
  • Halte nach Investitionen Ausschau, die noch nicht von der Allgemeinheit identifiziert wurden.
  • Ignoriere kurzweilige Schwankungen.
  • Große Verluste/Gewinne können durch Aktien gemacht werden.
  • Das Voraussagen der Wirtschaft/Aktienmarktes ist vergeblich.
  • Aktien sind (langfristig) rentabler als Anleihen.
  • Aktien sind nicht für Jedermann oder alle Phasen des Lebens geeignet.
  • Im Gegensatz zum „Profi“, können Amateure interessante Investment-Möglichkeiten Jahre vorher identifizieren und in sie investieren

 

Abschnitt 2: Picking Winners

Wie der Titel schon verrät, geht es in diesem Abschnitt um die Frage, wie du erfolgreiche Aktien-Titel identifizieren kannst.

Lynch schreibt detailliert über die folgenden Themen-Blöcke:

  • geht auf die Merkmale eines „perfekten“ Unternehmens,
  • Klassifizierung von Unternehmen,
  • nennt Merkmale von Unternehmen, die du lieber meiden solltest,
  • die Fragen, die du im Laufe deiner Nachforschungen über ein Unternehmen stellen solltest und
  • schlussendlich wie du wichtige Benchmarks, wie z.B. Cash, Schulden, P/E-Ratio, die Gewinnspanne, Buchwert, Dividenden, etc. richtig bewertest.

Dieser Abschnitt ist der längste sowie inhaltsvollste dieses Buches. Ich beschränke mich wie gesagt auf die aus meiner Sicht wichtigsten Aussagen und Informationen.

Für Lynch nehmen die Gewinne (Earnings) eines Unternehmens eine übergeordnete Rolle im Vergleich zu allen anderen Kennzahlen ein. Wenn sich die Gewinne (konstant) positiv entwickeln, ist dies ein durchaus positiver Aspekt, der am Ende für ein Engagement entscheiden könnte.

Lynch beschreibt außerdem, wie wichtig es ist, in Unternehmen zu investieren, mit deren Geschäftsmodell man sich auskennt. Vor jedem Investment sollte man zudem gründlichen Research betreiben.

Lynch hat oftmals in sehr kleine Unternehmen investiert. Im Vergleich zu größeren Unternehmen sind diese deutlich volatiler. Die Chance von größeren Verlusten ist wahrscheinlicher, jedoch ist die Möglichkeit von riesigen Gewinnen, im Vergleich zu großen Unternehmen ungleich höher! Seine größten Gewinne hat Lynch mit kleineren Unternehmen eingefahren.

Unternehmen kategorisiert Lynch in sechs Kategorien, die ich persönlich klasse finde:

1. The Slow Growers

Dies sind vorwiegend ältere und riesige Unternehmen. Früher waren dies Fast Growers. I.d.R. zahlen diese Unternehmen hohe sowie regelmäßige Dividenden. Lynch hat von diesen Unternehmen nie viele in seinem Portfolio! Begründung: Wenn sich die Gewinne nicht mehr schnell nach oben entwickeln, wird es der Aktienkurs ebenfalls nicht!

2. The Stalwarts

Dies sind Unternehmen, wie z.B. Coca Cola oder Procter & Gamble. Sie sind nicht wirklich agil von ihrer Entwicklung her, jedoch sind sie ebenfalls keine Slow Growers. Lynch kauft Stalwarts in der Regel für einen 30-50% Gain verkauft sie dann wieder. Den Prozess wiederholst du anschließend mit anderen Titeln. Lynch hält stets einige Stalwarts in seinem Portfolio, da diese zu Zeiten von Rezessionen und harten Zeit einen guten Schutz darstellen.

3. The Fast Growers

Gehören zu Lynchs Lieblings-Investments. Kleine, aggressive, neue Unternehmen, die 20 bis 25% pro Jahr wachsen. Wenn du hier weise wählst, ist dies das Land der 10- bis 40-Baggers! Hier kannst du sogar 200-Bagger finden. Lynch hebt hervor, dass in einem kleinen Portfolio einige wenige solcher Bagger eine Karriere machen können.  Fast Growers sind jedoch auch extrem riskant. Wenn sie aufhören zu wachsen, fallen sie gewöhnlich extrem schnell nach unten. Timing ist hier also gefragt. Lynch wählt am liebsten Fast Growers mit gesunden Bilanzen und beträchtlichen Gewinnen.

4. The Cyclicals

Dies sind Firmen deren Verkäufe und Gewinne in regelmäßigen Abständen fallen und steigen. Insbesondere Fluglinien und die Automobilindustrie zählen hierzu. Auch hier ist das Timing logischerweise ausschlaggebend. Hinzu kommt, dass du dich mit der jeweiligen Industrie auskennen solltest, um den richtigen Einstieg wählen zu können.

5. Turnarounds

Dies sind ramponierte und fast zerschlagene Firmen, die zum momentanen Zeitpunkt gar nicht mehr wachsen. Wenn Turnarounds jedoch rebounden, werden sie zu absoluten Cashcows. Dabei existieren verschiedene Formen von Turnarounds (Restrukturierungen, Bail-Outs, etc.).

6. The Asset Plays

Ist ein Unternehmen, das auf etwas Wertvollen sitzt, von dem die Börse noch nicht wirklich weiß. Das kann ein Haufen Cash sein oder beispielsweise Immobilien.

The Perfect Stock, What a Deal!

Lynch hat während seiner gesamten Karriere am erfolgreichsten & am liebsten in Unternehmen investiert, deren Geschäftsmodell er versteht. Lynch bevorzugte wenig komplexe und gut nachvollziehbare Geschäftsmodelle zu 100%.

Im Idealfall erfüllte diese Firma noch die nachfolgenden 13 Attribute:

  1. langweiliger, glanzloser Name
  2. langweiliges Geschäftsmodell (z.B. Flaschen-Verschlüsse)
  3. es macht etwas Unangenehmes oder gar ekliges (Renigungs-Services z.B.)
  4. ein Spin-Off
  5. geringer Institutioneller- und Analysten-Besitz
  6. Gerücht um die Firma: Schmutz oder /und Mafia
  7. etwas Deprimierendes (z.B. Beerdigungen)
  8. es ist eine No-Growth-Industry
  9. eine Nischen-Firma
  10. Menschen müssen das Produkt/Service stets kaufen
  11. das Unternehmen nutzt Technologien, erfindet jedoch keine (Supermärkte z.B.)
  12. Insider kaufen
  13. die Firma kauft Anteile zurück

 

Stocks That I Would Avoid

Lynch beschreibt außerdem sehr anschaulich, welche Aktien er eher meidet. Als erstes geht er auf besonders „heiße“ Aktien/Branchen ein. Titel, über die jeder spricht und einem empfiehlt.

Außerdem macht Lynch stets einen großen Bogen um Titel, die bevor sie sich etabliert haben, als das „nächste McDonald’s“ oder das „nächste Disney“ bezeichnet werden. Meistens sind diese vielmehr der „nächste Müll“.

Eine lustige Wortfindung hat Lynch auch für Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell diversifizieren wollen. Lynch nennt dies treffend Diworseification. Aus Lynchs Erfahrung sind die meisten Diversifizierungen Änderungen zum Schlechten (siehe Bayer).

Des Weiteren empfiehlt Lynch, einen Bogen, um Firmen zu machen, die 25 bis 50% ihrer Waren/Services an einen Abnehmer verkaufen. Die Erklärung ist logisch..

Kaufe keine Firmen mit einem aufregenden Namen. Ich finde diese Hinweise von Lynch lustig, aber irgendwie auch plausibel.

Earnings, Earnings, Earnings

Wie bereits angesprochen, spielen die Gewinne eines Unternehmens für Lynch eine stark übergeordnete Rolle als Kriterium für ein etwaiges Investment.

Die werthaltige Entwicklung eines Unternehmens führt Lynch primär auf die Entwikclung der Gewinne Zurück.

Aus diesem Grund vergleicht Lynch sehr gern die Preisentwicklung eines Unternehmens mit der Entwicklung der Gewinne. So lange du verkaufst, wenn die Preis-Linie über dem Gewinn-Linie ist und verkaufst im umgekehrten Fall, solltest du langfristig eine sehr solide Rendite erzeugen.

In Verbindung mit den Gewinnen ist für Lynch das sog. P/E-ratio unumgänglich (Price/Earnings ratio). Es stellt eine Relation zwischen dem Aktien-Preis und den Gewinnen des Unternehmens dar.

Das P/E-ratio zeigt an, ob eine Aktie überteuert, fair bewertet oder gar unterbewertet ist.

Ganz einfach stellt das P/E-ration dar, wie lange ein Unternehmen benötigt, um das eigene Initial-Investment zurück zu verdienen (zu solchen Kennzahlen werde ich einen gesonderten Blog-Beitrag anfertigen, in dem ich solche Kennzahlen anhand von Beispielen erkläre).

Die sog. Fast Growers haben i.d.R. die höchsten P/E’s, während die Slow Growers die niedrigsten haben. Extrem hohe P/E’s solltest du als Warnzeichen betrachten, da diese ein extrem hohes Gewinn-Wachstum benötigen, um dein Investment wieder zu generieren.

Interessant ist auch, dass auch Märkte ein P/E haben können. Wenn das P/E eines Marktes zu hoch ist, ist dies ein gutes Zeichen für eine allgemeine Überbewertung der darin enthaltenen Titel. Während Finanzkrisen steigt das P/E meistens ziemlich verlässlich nach oben.

Ein Unternehmen kann auf fünf Wegen höhere Gewinne erzeugen:

  1. Kosten reduzieren
  2. Preise erhöhen
  3. In neue Märkte expandieren
  4. Mehr Produkte verkaufen
  5. Schließen, revitalisieren oder absetzen einer Operation

Meine Key Take-Aways aus dem 2. Abschnitt:

  • Kenne die Unternehmen, die du kaufst und die Gründe, warum du kaufst.
  • Durch das (richtige) Kategorisieren von Aktien, weißt du, was du erwarten kannst.
  • Große Firmen bewegen sich wenig, kleine umso mehr.
  • Schaue nach kleinen profitablen Firmen mit einem bewährten Geschäftsmodel.
  • Sei vorsichtig bei Firmen mit Wachstumsraten zwischen 50 und 100 %/Jahr.
  • Vermeide „hot stocks“.
  • Vertraue Unternehmens-Diversifikationen nicht blind (Diworseification).
  • Halte die Augen im Alltag stets nach evtl. Analagemöglichkeiten Ausschau.
  • Investiere in „einfache“ Unternehmen, die langweilig erscheinen, und als nicht fancy
  • Fast Growers mit einer Wachstumsrate von 20 bis 25% sind ideale Investments.
  • Nischen Unternehmen sind klasse.
  • Firmen, die keine Schulden haben, können nicht bankrottgehen.
  • Viel Geld kannst du mit Firmen machen, die in Schwierigkeiten stecken (Turnarounds).
  • Halte nach Unternehmen Ausschau, die stetig eigene Anteile zurückkaufen.
  • Halte nach Unternehmen mit wenig oder gar keinem institutionellen Besitzern Ausschau.
  • Bevorzuge Unternehmen, in denen das Management selbst stark investiert ist.
  • Insider Buying ist ein sehr positives Signal, gerade wenn verschiedene Individuen kaufen.
  • Sei geduldig. Wer seine Hausaufgaben gemacht hat, braucht auch nicht paniken.
  • Investiere in das Auswählen eines neuen Unternehmens/Aktie mindestens so viel Zeit, wie in das Auswählen eines neuen Kühlschrankes.

 

Abschnitt 3: The Long-Term View

In diesem Abschnitt erklärt Lynch, wie du dir ein Portfolio mit maximalem Wachstum und minimalen Risiko strukturieren kannst. Außerdem beschreibt Lynch, wann man kaufen und verkaufen sollte sowie das Verhalten während eines Crashs.

Auf die Frage, wie viele Aktien ein Anleger halten sollte, antwortet Lynch klug, dass dies davon abhängig ist, wie viele rentable und sinnvolle Investitions-Möglichkeiten sich ergeben.

Wenn du eine aufregende Möglichkeit gefunden hast und ein besonderes spezifisches Wissen hat, das die Mehrheit nicht hat, dann solltest du investieren.

Bei einem kleinen Portfolio kann sich Lynch gut und gern zwischen drei und zehn Aktien vorstellen. Aus den folgenden Gründen:

  • Wenn du auf der Suche nach Titel bist, die sich vervielfachen (Baggers), dann ist es natürlich von Vorteil, mehrere Fast Growers im Portfolio zu haben.
  • Je mehr Aktien du besitzt, desto flexibler kannst deine finanziellen Mittel zwischen diesen rotieren. Lynch selbst hat nie mehr als 30 bis 40% seiner Mittel in Growth- Den Rest verteilt er über die anderen Kategorien, die im Vorfeld beschrieben wurden. Normalerweise sind 10 bis 20% in Stalwarts, weiter 10 bis 20% in Cyclicals und der Rest in Turnarounds.

Je jünger (und risikobereiter) man ist, desto mehr Geld kann man in Growth-Titel investieren.

Das Kaufen und Verkaufen von Titel macht Lynch abhängig von der individuellen Situation des Unternehmens/Marktes. Auch Lynch empfiehlt, in Krisenzeiten zu kaufen.

Zu jeder der sechs Kategorien zählt Lynch einige Gründe auf, die ihn zu einem Kauf bewegen könnten (die müsst ihr euch selbst anschauen, sonst sprenge ich hier den Rahmen).

 

Meine Key Take-Aways aus dem 3. Abschnitt:

  • Markteinbrüche bzw. -korrekturen kommen regelmäßig – be mentally and financially prepared –
  • Die Märkte über ein Jahr oder mehr zu prognostizieren ist Zeitverschwendung.
  • Um eine sehr gute Rendite zu machen, brauch man nicht immer richtig liegen – nicht einmal in der Mehrheit der Investments.
  • Du kannst sehr ernsthaftes Geld mit Stalwarts Die Kumulierung von jeweils 20-30% Rendite ist über die Zeit beträchtlich!
  • Kurzzeitig können Kurse von den Fundamental-Daten eines Unternehmens abweichen. Langfristig jedoch, geben die Gewinne die Richtung sehr genau an.
  • Auch eine sehr gewinnbringende Aktie sollte man stets im Auge behalten und die „Story“ des Unternehmens verfolgen!
  • Wenn du nicht glaubst, dass du den Markt schlagen kannst, dann kaufe Mutual Funds (ETFs etc.), und spare dir so viel Zeit und Arbeit!
  • Be open-minded!

 

Fazit

Für mich auf jeden Fall eins der besten Finanzbücher, die ich aufstöbern konnte und gelesen habe.

Lynch schreibt mit sehr viel Humor und sehr unterhaltsam. One Up On Wall Street ist kein langweiliger Börsen-Roman und auch kein Buch, von jemanden der sich profilieren will. Ganz Im Gegenteil. Lynch ist dermaßen bescheiden in Bezug auf seine eigenen (außergewöhnlichen) Erfolge. Hinzu kommt, dass das Buch bis zum Rand vollgestopft ist, mit tollen Investment-Tipps.

Dieses Buch eignet sich aus meiner Sicht insbesondere für aktive Anleger und Investoren, die ein Teil ihres Geldes aktiv anlegen (so, wie ich das ebenfalls tue). Zugegebenermaßen habe ich jedes Mal, wenn ich dieses Buch erneut lese, das Gefühl noch aktiver an der Börse tätig zu werden. Denn die Tipps von Lynch sind äußerst gut verständlich, sehr gut auf die heutige Zeit übertragbar und machen Laune auf ein Börsen-Engagement. Was mich momentan noch zurückhält, ist schlicht und ergreifend die dafür nötige Zeit, die mir in meiner derzeitigen Lebenssituation fehlt.

Ich kann dieses Buch mit aller besten Gewissen empfehlen und wünsche viel Spaß beim Lesen! Ich bin auf euer Feedback gespannt.

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Written by Tommi