Portfolio-Rebalancing: Höhere Rendite, geringes Risiko!

Grundgedanke des Portfolio-Rebalancing ist das Wiederherstellen einer bestimmten strategischen Portfolio-Struktur.

Diese spezifische Portfolio-Struktur wurde von dir im Vorfeld festgelegt. Sie stellt im Normalfall deine langfristige Anlagestrategie dar.

Dadurch das sich die Werte deiner Assets durch die Kursbewegungen an der Börse stetig verändern, muss du durch simple regelmäßige Anpassungen dein Portfolio wieder an seine anfängliche Struktur anpassen.

Auf diese Weise wird das ursprüngliche Risiko-Rendite-Verhältnis des Portfolios wiederhergestellt.

Damit ist diese Art der Portfolio-Verwaltung und -Strukturierung das Gegenbeispiel zum aktiven Investieren bzw. Stock-Picking.

Ein zeitraubendes und zumeist komplett unrentables Markttiming kannst du so ignorieren.

Welche Vorteile das Portfolio-Rebalancing dir bietet und welche einfachen Möglichkeiten dir zur Verfügung stehen, um es durchzuführen, erfährst du in diesem Beitrag.

 

Wie kannst du dein Portfolio-Rebalancing am geschicktesten durchführen?

Es gibt aus meiner Sicht drei elementare Rebalancing-Methoden:

  1. Jene Positionen, die im Wert zugenommen haben, werden anteilig verkauft. Und jene Positionen, die im Wert abgenommen haben, werden gekauft.
  2. Es werden nur jene Positionen nachgekauft, die im Wert verloren haben.
  3. Es wird nur jene Position verkauft, die im Wert zugenommen hat.

Mit allen drei Methoden kommst du zum Ziel. Das Problem sind nur die Begleiterscheinungen. Denn die drei Methoden bringen aus meiner Sicht unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich.

Wenn du Cash benötigst, verstehe ich es, wenn du Positionen verkaufst, um dein Rebalancing durchzuführen. Anders wird ein Rebalancing schwierig für dich! Bedeutet Methode 1. oder 3.

Wenn du jedoch liquide bist, würde ich dir stets Methode 2 präferieren. So verhalte ich mich ebenfalls. Demnach werden also nur Positionen nachgekauft, die im Wert gesunken bzw. sich weniger stark nach oben entwickelt haben.

Großer Vorteil von Methode 2 ist, dass du die Kapitalertragsteuer, d.h. die Steuer für Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren vermeidest!

Des Weiteren ist die Chance deutlich höher, dass deine Transaktionskosten bei Methode 2. ebenfalls geringer sind, als bei Methode 1., da du ja nur nachkaufst, aber nicht verkaufst.

 

Beispiel:

Um das Portfolio-Rebalancing ein wenig greifbarer zu machen, habe ich für dich im Folgenden ein kleines Excel-Beispiel angefertigt.

Dieses Beispiel zeigt dein hypothetisches Wertpapier-Portfolio. Dieses besteht zum 01.01.XXXX aus 50% Aktien und 50% REITs.

Veränderung der Assetklassen

Über das Jahr hinweg verändern sich die Anteile der beiden Assetklassen (Aktien/REITs), wie im obigen Diagramm dargestellt.

Da du dein jährliches Portfolio-Rebalancing äußerst diszipliniert jeweils einmal im Jahr, und zwar am 31.12.XX durchführst, interessiert uns lediglich die Portfolio-Struktur zu diesem Zeitpunkt. Bedeutet, die restlichen unterjährlichen Wertschwankungen können elegant ignoriert werden.

Am 31.12.XX besteht dein Portfolio nun aus 66% Aktien und 34% REITs. Ausgehend von einem Verhältnis am Jahresanfang von 50:50.

Ausgangs-Portfolio mit 50% Aktien und 50% REITs

Am 31.12.XX besteht dein Portfolio nun aus 66% Aktien und 34% REITs. Ausgehend von einem Verhältnis am Jahresanfang von 50:50. Deine Portfoliostruktur hat sich also ziemlich verschoben. Demnach ist es an der Zeit für ein gepflegtes Rebalancing.

Portfolio nach einem Jahr (mit Wertveränderungen)

Ich persönliche kaufe immer die schwächste(n) Position(en) soweit nach, bis die anfängliche Struktur wiederhergestellt ist. So verhältst du dich hier ebenfalls.

Bedeutet, du kaufst deine REIT-Position soweit nach, bis die anfängliche Portfolio-Struktur von 50% Aktien und 50% REITs wiederhergestellt ist.

Portfolio nach dem Rebalancing (Balance wiederhergestellt)

Bezugnehmend auf die drei oben erwähnten Rebalancing-Metthoden hast du nun die Qual der Wahl.

Glückwunsch, damit hast du dein Portfolio-Rebalancing erfolgreich durchgeführt.

Dieselbe Vorgehensweise ist auch für deutlich komplexere bzw. größere Portfolios anzuwenden.

Wie du siehst ist diese Vorgehensweise weder komplex noch aufwendig, dafür bringt sie dir gerade als langfristiger Investor einen Haufen an Vorteilen! Im Folgenden nun mehr zu den Vorteilen:

 

Warum solltest du Portfolio-Rebalancing überhaupt durchführen?

Folgende Gründe sprechen aus meiner Sicht für ein regelmäßiges Portfolio-Rebalancing:

  1. Disziplin im Investitionsverhalten: Eine Disziplinierung deines Anlageverhaltens ist aus meiner Sicht unglaublich wertvoll. Es gibt nix schlimmeres Rendite-schädigendes, als das sinn- und grundlose verwerfen einer soliden Anlage-Strategie. Ein aufwendiges und nervenraubendes Markttiming wird so obsolet. Auch hier gibt es unzählige Studien die beweisen, dass das langfristige und konsequente Festhalten an einer Anlagestrategie meist x-fach rentabler ist, als das Jagen von „Trends“ und „hippen Titeln“.

 

  1. Antizyklisches Investitionsverhalten: Durch ein konsequentes Portfolio-Rebalancing bist du dazu gezwungen, Wertpapier-Positionen zu kaufen, die in ihrem Wert gesunken sind und umgekehrt, die „hippen“ Positionen zu verkaufen. DU kaufst also billig und verkaufst teuer. Dieses Verhalten ist, insbesondere aus langfristiger Sicht, sicherlich nicht doof.

 

  1. Rendite-Risiko-Kontrolle: Jedes Asset (Wertpapier) hat ein individuelles Rendite-Risiko-Profil. Schau dir dazu gern meine Buchrezension von „Die intelligente Asset Allocation“ an. Durch das Portfolio-Rebalancing sorgst du dafür, dass dein Portfolio über die Zeit nicht zu risiko- d.h. renditereich (z.B. Dominanz vom Aktienanteil) oder aber risiko- d.h. renditearm (z.B. Übergewicht Anleihen) wird. Vielmehr steuerst du nach deiner eigenen Risiko-Rendite-Toleranz.

 

  1. (Transaktions-) Kosten: Einer der wichtigsten Punkte sind die Transaktionskosten, die durch das (Ver-) Kaufen entstehen. An der Börse gibt es hierzu einen lustigen & absolut wahren Spruch: „Hin und her, macht Taschen leer“. Den Spruch solltest du dir dringend merken. Das größte Problem der Kosten ist bei den meisten Banken und Brokern ihre gigantische Intransparenz. Zwar werden die Kosten in irgendwelche Listen sowie Verzeichnissen aufgeführt, aber es ist absolut mühsam und nervig diese ständig in die effektive Rendite Berechnung zu integrieren. Folge: Deine absolute Rendite ist meist signifikant geringer, als du glaubst. Denn die meisten Transaktionskosten hast du höchstwahrscheinlich nicht mit in deine Rendite-Kalkulation integriert. Gerade aktive Trader bzw. Spekulanten haben es hier sehr schwer. Dies ist für mich momentan einer der gewichtigsten Gründe, primär passiv zu investieren. Bei einem ein- oder zweijährigen Portfolio-Rebalancing, wie ich es dir ebenfalls empfehle, entstehen minimale Kosten bzw. Steuern (bei Veräußerungsgewinnen).

 

  1. Regression zum Mittelwert: Dieses Phänomen besagt, dass in vielen Lebensbereichen eine konstante Entwicklung entlang des Mittelwerts existiert. So auch an der Börse. In den meisten Fällen fallen extrem gestiegene Kurse nach einiger Zeit wieder. Runter zum Markt-Durchschnitt. Ebenso verhält es sich mit extrem gesunkenen Kursen. Diese steigen oftmals früher oder später zum Markt-Durchschnitt hoch. Insbesondere ist dieses Phänomen bei Markt-Indices zu beobachten (z.B. ETFs). Bei einzelnen Assets, wie einer Aktie von einem einzelnen Unternehmen, kann der Kurs z.B. im Falle einer Insolvenz final abstürzen. Von diesem statistischen Phänomen kann man durch ein stringentes Portfolio-Rebalancing ebenfalls Gebrauch machen. Denn es werden schließlich jene Assets nachgekauft, die im Wert verloren bzw. sich nicht so stark entwickelt haben, wie der Rest.

 

  1. Rendite und Risiko: Der wichtigste und wahrscheinlich interessanteste Punkt! Es ist unumstritten und wissenschaftlich x-fach bewiesen, dass durch ein konsequentes Portfolio-Rebalancing das Risiko deines Portfolios effektiv reduziert und zudem die Rendite ebenfalls gesteigert wird! Wer jetzt immer noch nicht von einer langfristigen Anlagestrategie basierend auf dieser Methodik überzeugt ist, dem kann ich nicht helfen. In dem oben bereits angesprochenen Buch, „Die intelligente Asset Allocation“, wird ebenfalls sehr detailliert, wissenschaftlich und unterhaltsam auf diese Effekte eingegangen!

 

Der Robo-Advisor Growney, den ich bereits in einem meiner Artikel erwähnt habe, hat ein sehr interessantes und anschauliches Rechen-Beispiel zum Thema Rendite-Beeinflussung durch Portfolio-Rebalancing veröffentlicht.

In einem sehr einfachen 50:50-Depot, bestehend aus Aktien und Anleihen wurde der Rebalancing-Effekt für einen Zeitraum von 13 Jahre untersucht.

Ergebnis: Das Portfolio, welches regelmäßig gerebalanced wurde, hatte knapp einen halben Prozentpunkt an jährlicher Rendite mehr! Über die 13 Jahre war der Gesamtzuwachs um ca. 13 Prozentpunkte höher, als in dem Portfolio, welches nicht gerebalanced wurde!

Ich denke die oben aufgeführten Punkte zeigen recht deutlich, das Portfolio-Rebalancing nicht gerade schlecht investierte Zeit ist.

 

Herausforderung des Portfolio-Rebalancing

Aus rein psychologischer Sicht ist das Portfolio-Rebalancing für die meisten Investoren alles andere als einfach.

Denn durch die Kursschwankungen, welche über die Zeit entstehen, verändern sich die Werte der einzelnen Positionen des Portfolios teils massiv. Es kommt also zu Abweichungen von der ursprünglichen Portfolio-Strukturierung.

Die meisten Investoren können in turbulenten Zeiten die Finger nicht stillhalten. Dies ist absolut verheerend.

Denn eine abgebrochene Strategie, ist immer suboptimal und mit Kosten sowie zusätzlichen Aufwand verbunden.

Insbesondere das Verkaufen von gut laufenden und Erträge generierenden Wertpapieren wiederstrebt dem natürlichen Instinkt der meisten Investoren.

Genau deswegen empfehle ich Investoren, die eher knapp bei Kasse sind, dafür zu sorgen, dass sie am Ende des Jahres genug Padda haben, um ein Rebalancing über das KAUFEN von Titel zu steuern!

Ich kann mich nur wiederholen, steuert das Portfolio-Rebalancing nicht über das Verkaufen, sondern Kaufen!

Wie oben bereits erwähnt, ist dies die aus Kosten-Gesichtspunkten die günstigere Option! Zudem werdet ihr dadurch ebenfalls dazu diszipliniert langfristig mehr zu investieren.

 

Wann und wie oft sollte ein Portfolio-Rebalancing durchgeführt werden?

Die erste Variante ist ein zeitabhängiges Portfolio-Rebalancing. So viel vorweg, diese Methode präferiere ich zu 100%. Diese Art des Rebalancing findet in der Regel nur sehr selten statt. Empfohlen wird in der Literatur zumeist eine ein- bis zweimaliges pro Jahr. Bedeutet, ein Rebalancing zu fixen jährlichen Terminen.

Eine andere Variante ist das Portfolio-Rebalancing nach wertabhängigen Grenzen. Hierbei müssen im Vorfeld von dir bestimmte wertmäßige Grenzen definiert werden. Wenn diese unter- oder aber überschritten werden, ist ein Portfolio-Rebalancing durchzuführen.

Bei Variante zwei stört mich das Festlegen der wertmäßigen Grenzen im Vorfeld massiv. Erstens wüsste ich nicht, die sinnvoll zu setzen und zweitens bedeuten die nur wieder einen Haufen an Zeitaufwand. Auf beides kann ich getrost verzichten und mach in der Zeit lieber was anderes.

Hinzu kommt, dass dieses Spielchen schnell teuer werden kann. Was ist, wenn die Grenzen oft über- oder unterschritten werden? Jackpot, dann darf ich jedes Mal hin und her transferieren sowie artig Transaktionsgebühren und Steuern zahlen. Da habe ich so gar keinen Nerv drauf.

Zusammenfassend würde ich stets ein zeitabhängiges Portfolio-Rebalancing wählen! Einmal, höchstens zweimal jährlich ist gemäß der wissenschaftlichen Literatur völlig ausreichend!

Hier gilt: Je seltener, desto besser und günstiger! Ganz einfach.

Zusammenfassung

Portfolio-Rebalancing ist eigentlich ganz einfach:

  1. Du entwickelst eine Anlagestrategie,
  2. konstruierst dein Portfolio,
  3. legst fixe und regelmäßige Zeitpunkte für das Rebalancing fest,
  4. führst das Portfolio-Rebalancing nach Plan durch UND
  5. du weichst von keinem der vorherigen vier Schritte ab!

Portfolio-Rebalancing eignet sich in erster Instanz für Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont.

Du, als langfristiger Investor kannst durch ein konsequentes Rebalancing deines Portfolios,

  • die Rendite steigern,
  • das Risiko senken,
  • deine Disziplin als Investor steigern,
  • billig kaufen und ggf. teuer verkaufen,
  • Kosten und Steuern geringhalten und
  • die Regression zum Mittelwert nutzen!

Für Trader und aktiv-angehauchte Investoren dürfte sich diese Strategie jedoch nicht bewähren.

Zu hoch sind die Transaktionskosten und Steuern, die durch ein zu regelmäßiges Rebalancing unweigerlich entstehen.

Zudem ist eine positive Auswirkung auf die Rendite bzw. das Risiko bei kurzen Anlagezeiträumen nicht vorhanden!

Written by Tommi