Das Thema Rentenvorsorge ist brandaktuell und heiß diskutiert. Denn es betrifft so ziemlich jeden Bundesbürger, auch dich!

Deutschland und seine Bundesbürger sind in Sache rentabler und kostengünstiger Rentenvorsorge, im Vergleich zu vielen anderen Staaten, nun ja, um es vorsichtig zu formulieren, “rückständig”. 

Dies betrifft sowohl die staatliche als auch die private Rentenvorsorge. Das Paradoxon: Es existieren seit Jahrzehnten, effektivere, deutlich rentablere und absolut erprobte Alternativen. Welche das sind, wirst du jetzt erfahren! Stay tuned!

Rentenvorsorge mit Aktien – die rentabelste und sicherste Möglichkeit?

Seit einigen Jahren schlagen Experten aus diversen Branchen wegen der momentanen Rentenvorsorge Alarm. Warum? Weil die zukünftigen gesetzlichen Renten mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr reichen werden, um den derzeitigen Lebensstandard zu finanzieren. Seit vielen Jahren steht nämlich eine sinkende Zahl von Beitragszahlenden, einer immer größer werdenden Zahl von Menschen im Ruhestand gegenüber. Eine andere Form der Rentenvorsorge, als die gesetzliche, betreiben die allermeisten Deutschen jedoch nicht.

Von dem Szenario einer zu geringen Rente, um einen annährend gleichbleibenden Lebensstil aufrecht zu erhalten, werden aller Voraussicht nach nicht nur Deutsche aus der Unter- sowie Mittelschicht betroffen sein, sondern auch viele Akademiker.

Bereits im Jahr 2016 wurde eine Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI) in Kooperation mit dem Bankhaus Metzler, der DekaBank und Union Investment veröffentlicht. Diese Studie plädierte für eine deutsche Altersvorsorge basierend auf Aktien, „um bei abnehmender Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung das Auskommen im Alter zu sichern und die absehbare Lücke in der gesetzlichen Rente effektiv zu schließen“. Diese Lücke wird unweigerlich aufgrund der demographischen Entwicklung entstehen. Die Studie zieht das folgende Fazit: „Aktien sind alternativlos!“ und deshalb muss die Thematik „Vorsorge durch Aktien“ unbedingt Teil der politischen Agenda werden.

Die wesentlichsten Ergebnisse der DAI-Studie sind:

  • Aktien führen in der deutschen Altersvorsorge ein Nischendasein – das Ausland ist hier deutlich weiter (z.B. GB, Niederlande, Schweden oder die USA).
  • Aktien sind ideal Instrumente für die Altersvorsorge:
    • Einem Anlagezeitraum von 30 Jahren, wobei Aktiensparpläne mit mtl. gleichbleibenden Einzahlungen unterstellt wurden, die in der Vergangenheit eine durchschnittliche nominale Rendite (aus Kursgewinnen + Dividenden) von 7-10 % p.a. erzielt haben.
    • Ab 30 Jahren Anlagezeitraum betrug selbst die geringste Rendite mehr als 4% (Ausgabeaufschläge und laufende Kosten mit einkalkuliert!). Und selbst bei einem Anlagezeitraum von 20 Jahren, lag keiner der betrachteten DAX-Sparpläne im Minus!)
    • Wichtig war in der Untersuchung außerdem eine ausreichende Diversifikation des Portfolios (über Branchen, Regionen + Anlageklassen (z.B. Anleihen) hinweg).
    • Sparraten wurden innerhalb der Studie vorausgesetzt, da diese Vorteile, wie die Unwichtigkeit des Timings und der Spar-Disziplinierung, haben.

Die folgenden Grafiken aus der angesprochenen Studie finde ich besonders beeindruckend:

Die erste Grafik zeigt die Zusammensetzung der Bruttorente eines Durchschnittsverdieners im Vergleich zu ausgewählten anderen Ländern. Deutschland ist hier, in Bezug auf die gesetzliche Altersvorsorge, mit 75% trauriger Spitzenreiter. Die deutsche Mittelschicht verlässt sich also massiv auf die gesetzliche Altersvorsorge und investiert nicht in rentablere Anlagevehikel.

Die zweite Grafik zeigt das Verhältnis zwischen aktienbasierter Kapitaldeckung der Altersvorsorge und der Wirtschaftsleistung, gemessen als BIP. In seiner Vergleichsgruppe ist Deutschland mit nur 26% aktienbasierter Kapitaldeckung, wieder klares Schlusslicht.

 

Das oben beschriebene Vorsorgemodell der Bundesrepublik wird insbesondere durch die dritte Grafik in Frage gestellt. Diese Grafik veranschaulicht die Rendite im Zeitraum von 1967 bis 2015 des deutschen Aktienmarkts DAX 30. Hier wird klar ersichtlich, dass bei zeitlich kürzeren Investments zwar einerseits deutlich höhere Renditen erzielt werden können, die Risiken von Verlusten jedoch ebenfalls deutlich höher sind. Je länger man aber investiert ist, desto geringer werden die Verluste und desto höher werden die Renditen. Ab 20 Jahren bestand keine Gefahr eines Verlustes mehr! Das worst-case-Szenario waren nach 20 Jahren 2,7 Rendite und die maximale Rendite waren 16,6%! Fazit: Bei Aktienanlagen nimmt das Risiko von Verlusten mit der Dauer des Anlagezeitraums signifikant ab. Insbesondere dann, wenn man über ein breit diversifiziertes Portfolio verfügt.

Die Wichtigkeit eines möglichst langen Anlagezeitraums wird ebenfalls durch die vierte Grafik verdeutlicht. Diese zeigt, dass alle Sparpläne auf den DAX 30 ab 20 Jahren Anlagehorizont eine positive Rendite generierten. Wobei die Studie ebenfalls sagt, dass sich dieser Befund zum deutschen Aktienmarkt auch auf den weltweiten Maßstab projizieren lässt (z.B. den MSCI World-Index).

Der eben erwähnte Effekt lässt sich, wie bereits angesprochen, zudem auch bei vielen anderen Anlagevehikeln nachweisen. In der fünften Grafik werden die minimale, durchschnittliche und maximale Rendite für verschiedene aktienbasierte Anlagevehikel bei einem Anlagehorizont von 30 Jahren gezeigt. Keine der Anlagemöglichkeiten generierte über diesen Zeitraum eine negative Rendite.

Eine weitere sehr interessante und aussagekräftige Grafik, ist die folgende. Diese zeigt die Rendite, die Rentner auf eine Zusatzvorsorge nach einer Ansparphase von 45 Jahren erwirtschaften müssten, um eine Rentenlücke bei Sparraten von einem, zwei, drei oder vier Prozent des durchschnittlichen Bruttojahreseinkommens zu schließen. Hier zeigt sich: Je größer der Anteil des Bruttogehalts, welcher für die eigene Vorsorge investiert wird, desto niedriger ist die benötigte Rendite, um die Rentenlücke schließen zu können. Umgekehrt gilt natürlich: je höher die erzielte durchschnittliche Rendite, desto geringer muss tendenziell der notwendige Sparbetrag sein.

Beispiel: Bei einer jährlichen Sparleistung von zwei Prozent müsste der Rentner eine jährliche Rendite von mindestens 5,5 % erwirtschaften, um die eigene Rentenlücke schließen zu können.

Hier kann man insbesondere angesichts der vorher gezeigten Renditen für Aktien über längere Anlagezeiträume schlussfolgern, dass ein Investment in Aktien unter normalen Umständen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein sehr effizientes Mittel ist, um die eigene Rentenlücke über einen langfristigen Zeitraum zu schließen.

Im Rahmen einer aktuellen Studie des DAI, aus dem Juni 2019, wurden aktienbasierte Vorsorgemodelle anderer Länder verglichen und geschlussfolgert, was Deutschland von diesen Ländern lernen kann. Folgende Länder gingen dabei in den Bericht als Vergleichsobjekte ein:

  • Australien
  • Dänemark
  • GB
  • Kanada
  • Niederlande
  • Schweden
  • Schweiz
  • USA

Im Kern schildert diese Studie, wie u.a. die oben aufgeführten Länder bereits seit Jahren aktien-basierte Vorsorgemodelle erfolgreich betreiben, um die Renten ihrer Bevölkerung zu sichern.

Basierend auf den in dieser Studie durchgeführten Untersuchungen, schlägt das DAI folgende strategische Maßnahmen vor, um das deutsche Altersvorsorge-System zu verbessern:

  • Ansparverfahren mit Aktien für breite Bevölkerungsschichten einführen.
  • Die Bevölkerung sollen stets die Möglichkeit eines Opt-Outs haben (ein Aussteigen aus diesem Programm)
  • Kostengünstige sowie einfache Standardlösung, die der Bevölkerung einen maximal einfachen Zugang zu Aktien gewährt.
  • Mit Aktien, aber ohne Kapitalgarantie: d.h., keine Beitragsgarantien oder Mindestverzinsungen, da diese hohe Kosten verursachen und solch ein Verfahren somit unattraktiv machen würden.
  • Langfristig angelegte und breit diversifizierte Aktienportfolios.
  • Flexible Auszahlungsphasen.

Vier Prozent seines Brutto-Einkommens müsste durchschnittlich jeder Bundesbürger sparen und dabei zusätzlich eine Rendite von mindestens vier Prozent erreichen, um die eigene Rentenlücke schließen zu können.

Fazit:

Ich persönlich fand sowohl die DAI-Studie aus 2016 als auch die Studie aus 2019 sehr interessant und aussagekräftig. Große Teile Deutschlands scheinen sich in Bezug auf rentable Anlagemöglichkeiten immer noch nicht bewusst zu sein, dass an Aktien kein Weg vorbeiführt.

Die beiden Studien des DAI haben außerdem sehr gut dargestellt, wie wichtig für die eigene Vorsorge a.) ein möglichst langer Anlagehorizont und b.) eine ausreichende Diversifikation des eigenen Aktien-Portfolios ist.

 

Quellen:

DAI-Studie 2016: https://www.dai.de/files/dai_usercontent/dokumente/studien/2016-12-06%20Studie%20Aktienorientierte%20Altersvorsorge%20DAI%20Deka%20Metzler%20UI.pdf

DAI-Studie 2019: https://www.dai.de/files/dai_usercontent/dokumente/studien/DAI_19013_Studie_Altersvorsorge_190625_ES.pdf

Hinweis: Die oben aufgeführten Grafiken/Diagramme stammen aus der angesprochenen DAI-Studie aus dem Jahr 2016

Written by Tommi