Value-Investing (Warren Buffett)

Value-Investing

Value-Investing

 

Im heutigen Blog-Beitrag möchte ich euch gern das sog. Value-Investing vorstellen. Eine Anlagestrategie, im Rahmen derer Kaufentscheidungen von Wertpapieren basierend auf dem realwirtschaftlichen Wert bzw. inneren Wert des Investitionsobjekts / Unternehmen getroffen werden.

Margin of Safety

Beim Value-Investing ist somit das Verhältnis zwischen Kaufpreis zum momentanen Wert des Investitionsobjektes maßgebend. Diese Differenz wird auch als sog. Margin of Safety (Sicherheitsmarge) bezeichnet. Ein Value-Investor will logischerweise stets eine positive Sicherheitsmarge erzielen.

Mathematisch ausgedrückt:

Kaufpreis < Wert Investitionsobjektes = Kauf

Kaufpreis > Wert Investitionsobjektes = kein Kauf

Bei der Margin of Safety gilt: Je größer/positiver die Differenz, desto kleiner ist das Risiko für den Investor Geld zu verlieren. Die Chance eines rentablen Investments, steigt mit der Höhe der Sicherheitsmarge.

Interessant ist nun natürlich, wie du den inneren Wert eines Investitionsobjektes beim Value-Investing bestimmst. Dieser wird im Rahmen der sog. Fudamentalanalyse ermittelt. Bei dieser Bewertungsmethode werden etwaige reißerische Nachrichten-Meldungen oder bestimmte Entwicklungen des Marktpreises ignoriert. Stattdessen konzentriert sich ein Value-Investor auf bestimmte wirtschaftliche Faktoren und finanzielle Kennzahlen.

 

Warum kann eine Differenz zwischen Preis und Wert existieren?

Die Grundthese zu beantworten dieser Frage lautet: Value-Investoren gehen i.d.R. davon aus, dass der Preis für ein Unternehmen langfristig um den eigentlichen fairen Wert herum schwankt.

Gründe dafür sind beispielsweise, dass viele Investoren sich von ihren Emotionen, Nachrichtenmeldungen, Politik etc. zu Käufen bzw. Verkäufen verleiten lassen und den wahren Preis eines Unternehmens somit verfälschen.

Gute Beweise für den wirklichen Preis eines Unternehmens leisten häufig Finanzkrisen. Durch diese werden Hypes oftmals zerstört und viele Unternehmen werden wesentlich realistischer vom Markt bewertet. Die Corona-Krise ist dafür ein ausgezeichnetes Beispiel.

 

Ziel des Value-Investing

Value-Investoren erhoffen sich durch ihre genauen Analysen Unternehmen zu identifizieren, die vom Markt unterbewertet werden. Durch das Identifizieren und Kaufen solcher Titel erhofft sich der Value-Investor dann, eine Überrendite gegenüber den Marktindices, wie beispielsweise dem DAX oder S&P 500, zu erzielen. 

 

Ursprung des Value-Investing

Seinen Ursprung hat das Value-Investing durch den US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler sowie legendären Investor Benjamin Graham gefunden. Dieser veröffentlichte zusammen mit seinem damaligen Partner David Dodd im Jahre 1934 das Buch Security Analysis. Für viele erfolgreiche und bekannte Investoren beinhaltet dieses Buch zahlreiche unbezahlbare Prinzipien, um an der Börse erfolgreich zu sein.

Beste Beispiele von legendären Investoren, die sich der Prinzipien und Anleitungen aus diesem Buch bedienen, sind u.a. Peter Lynch und Warren Buffett.

Ich selbst nutze bei meinem Investment-Ansatz ebenfalls viele der durch den Value-Ansatz begründeten Investment-Prinzipien.

 

Grundprinzipien des Value-Investing

Das Value-Investing basiert auf vier grundsätzliche Prinzipien:

1. Das Unternehmen befindet sich in einer hervorragenden wirtschaftlichen Verfassung.

Das Unternehmen sollte seit Jahren, möglichst Jahrzehnten, profitabel am Markt sein. Dies bedeutet vor allem, dass die Umsätze und insbesondere die Gewinne stetig steigen.

Zudem sollten die Verbindlichkeiten im Idealfall weniger stark oder noch besser, gar nicht steigen.

2. Das Unternehmen nimmt eine Wettbewerbsposition ein, welche auch in Zukunft für eine positive Entwicklung sorgen wird.

Bei diesem Punkt geht es insbesondere darum, zu erkennen, ob das Unternehmen ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell besitzt, das auch in den kommenden Jahrzehnten zum Erfolg des Unternehmens beitragen wird. Wird man den Absatz/Produktion weiter steigern können?

Zudem sollte sich ein Value-Investor ebenfalls sehr genau die Marktposition anschauen. Hier sind u.a. folgenden Fragen relevant: Welche Wettbewerber gibt es? Was tun diese für ihre wirtschaftliche Entwicklung? Welche neuen Wettbewerber könnten sich am Markt etablieren?

3. Das Unternehmen wird von aufrichtigen, kompetenten und fleißigen Managern geleitet, die sich wie Eigentümer verhalten.

Bei diesem Punkt geht es insbesondere um die Eigentümer-Orientierung des Managements. Das Management muss als oberste Prämisse eine effiziente und eine für das Unternehmen rentable Verwendung des Aktionärskapitals anstreben.

4. Die Aktie des Unternehmens kann zu einem Preis erworben werden, der signifikant unterhalb des inneren Wertes liegt.

Dies ist wohl der wichtigste und zugleich schwierigste Punkt. Denn wie bestimmt der Value-Investor den wirklichen inneren Preis eines Investments am genausten?

Hierzu gibt es unterschiedliche Ansätze und Methoden. Eine dieser Methoden ist die sog. Discounted Free Cashflow Methode. Im Rahmen dieser Methode werden die voraussichtlich freien Cashflows des Unternehmens prognostiziert und anschließend mit einem Zins einer vergleichbaren Alternativanlage auf die Gegenwart abgezinst. Klar ist, dass diese Methode häufig alles anderen als genau ist, da große Ermessensspielräume existieren.

Es existieren viele weitere unterschiedliche Methode, die von Value-Investoren verwendet werden, um den „wirklichen“ fairen Preis zu bestimmen.

 

Value-Investing und zyklische Unternehmen

Ich habe auf meinem Blog vor ein paar Wochen über das Investieren in zyklische Unternehmen geschrieben. Grundsätzlich sind solide sowie erfolgreiche zyklische Unternehmen eine absolut interessante Investitionsmöglichkeit – jedoch nicht als Langfristanlage!

Zyklische Unternehmen passen aufgrund ihrer finanziellen und wirtschaftlichen Entwicklung sowie Charakteristika zumeist nicht in das Rasta einer Value-Investing-Strategie.

In Krisenzeiten stürzen zyklische Unternehmen meistens sehr stark ab. Die Gewinne brechen ein und die Verbindlichkeiten steigen. In der Regel ein No-Go für eine Value-Investor.

 

Value-Investoren und antizyklisches Investieren

Da Value-Investoren das Ziel haben, Unternehmen zu möglichst fairen Preisen zukaufen, sind Finanzkrisen häufig ideale Situationen, um solide Value-Werte zu kaufen.

Dieses Kaufverhalten wird auch antizyklisches Investieren oder auch Contrarian-Strategy genannt. Eine Contrarian-Strategy zeichnet sich dadurch aus, dass man sich gegen das Verhalten der Massen verhält. Gerade dann, wenn viele Leute verkaufen, wie während einer Krise, kauft der Value-Investor – und vice versa.

 

Charaktereigenschaften eines Value-Investors

Die wichtigste Charaktereigenschaft eines Value-Investors, sollte seine Geduld sein. Da das Value-Investing grundsätzliche auf meinem in der Regel jahrzehntelangen Anlagehorizont beruht, muss der Investor seine Finger stillhalten können.

Charlie Munger, der Partner von Warren Buffett sagte eins: „Wer nicht in der Lage ist, mit Ruhe und Gelassenheit einen Kursrückgang von 50 Prozent hinzunehmen, wie er zwei- bis dreimal im Jahrhundert vorkommt, sollte nicht Aktionär werden.“

Zudem sollte ein Value-Investor eine sehr präzise Natur haben. Denn die Analyse und Auswahl von Value-Titeln ist mit einer nicht zu unterschätzenden Arbeit verbundenen. Der Value-Investor muss alles rund um ein Unternehmen kennen und die aktuelle Entwicklung stets genau mitverfolgen.

 

Value-Bewertung eines Unternehmens, die sog. Fundamentalanalyse

Bevor ein Value-Investor Aktien eines Unternehmens erwirbt, wird eine sog. Fundamentalanalyse durchgeführt. Durch die Fundamentalanalyse wird nicht nur der Wert eines Unternehmens bestimmt, sondern es werden auch detailliert die fundamentalen Daten eines Unternehmens analysiert. Zu diesen gehören insbesondere finanzielle Kennzahlen und wirtschaftliche Faktoren.

Die wichtigsten sind:

  • Gewinn(-Entwicklung)
  • Umsatz(-Entwicklung)
  • Verschuldung / Fremdkapital
  • Margen
  • Buchwert
  • Cashflow
  • Wachstumsaussichten
  • Eigenkapital
  • Gesamtkapital
  • Dividendenzahlungen
  • und einige weitere…

Einzelne Kennzahlen haben leider nur eine geringe Aussagekraft. Vielmehr gilt es, ein möglichst detailliertes und umfassendes Gesamtbild eines Unternehmens zu konstruieren.

Die Entwicklung der Gewinne sowie der Verbindlichkeiten eines Unternehmens sind für mich beispielsweise immer enorm wichtig.

Unternehmen, in die langfristig investieren möchte, sprich Jahrzehnte, sollten im Durchschnitt die letzten Jahre und Jahrzehnte eine konstante jährliche Gewinnsteigerung zwischen 5% – 20% aufweisen. Währenddessen sollten die Verbindlichkeiten möglichst weniger ansteigen oder idealerweise stagnieren.

 

Fazit zum Value-Investing

Value-Investing ist aus meiner Sicht ein sehr zentraler und wichtiger Investmentansatz, mit dem sich jeder (angehende) Investor einmal intensiv mit auseinandergesetzt haben sollte. Denn die Grund-Prinzipien des Value-Investing gelten aus meiner Sicht auch für viele andere Investment-Strategien.

Zugleich bieten viele der Value-Investing Regeln, ein mehr als vernünftiges Rüstzeug, um jedes Unternehmen aus wirtschaftlicher Sichtweise vernünftig sowie objektiv einschätzen zu können.

Wer die Grundprinzipien des Value-Investings und die damit verbundenen Bewertungsmechanismen eines Unternehmens verstanden hat, sollte aus meiner Sicht sehr solide für ein erfolgreiches Engagement am Aktienmarkt aufgestellt sein.

Ich persönlich nutze für meine Art des Investierens wie bereits erwähnt ebenfalls einige Grundprinzipien und Bewertungsmechanismen des Value-Investing. Bisher hat mir dies bei der Auswahl von interessanten Unternehmen stets geholfen.

Wer sich für die Unternehmen, deren Geschäftsmodelle und finanzielle Situation interessiert, sollte sich das Value-Investing auf jeden Fall mal anschauen. Denn ein erfolgreicher Value-Investor ist stets über den Stand und die Entwicklung seiner Investitionen informiert und kauf nur, was er wirklich versteht!

 

Buch-Empfehlungen zum Thema Value-Investing

Zum Thema Value Investing gibt es einige hervorragende Bücher. Die folgenden kann ich nur empfehlen:

Das Value Investing Handbuch

In diesem Buch stellt J. Mihaljevic die neun wichtigsten Strategien des wertorientierten Investierens vor. Eine sehr gute Step-by-Step Anleitung, um ein erfolgreicher Value-Investor zu werden.

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Einfach Investieren – Grundlagen des Value Investing

Ein wirklich tolles Buch zum Thema Value-Investing vom Deutschen Finanz-Profi Till Schwalm. Sehr gut und äußerst interessant geschrieben. Inhaltlich & fachlich bietet dieses Buch einen sehr großen Mehrwert – Absolute Kaufempfehlung!

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Written by Tommi